Die Antisklaverei-Bewegung und die St.- Petrus-Claver-Sodalität
Ansprache der General-Leiterin der St.- Petrus-Claver-Sodalität gehalten während des 1. österreichischen Antisklaverei-Kongresses in Wien
am 22. November 1900 [1]
Kaiserliche Hoheiten! Hochwürdigste Bischöfe! Hochansehnliche Anwesende!
Der 1. österreichische Antisklaverei-Kongress in Wien hat sich nicht nur zu einer angesehenen Kundgebung wahrhaft christlicher, die Meere überbrückende Caritas gestaltet, auf die das katholische Wien stolz sein kann. Vielmehr wurde sie – wie wir es beabsichtigten – zu einer Zentenarium-Huldigungsfeier an Christus, den ersten Missionar. So scheint es mir am Schluss dieses Kongresses wichtig, auf die Anfänge der österreichischen Antisklaverei-Bewegung einen Blick zu werfen. Eng mit diesen Anfängen verwoben oder vielmehr aus ihnen hervorgegangen ist die Gesellschaft, die den 1. österreichischen Antisklaverei-Kongress zur Neubelebung und Kräftigung des Missionsinteresses für Afrika, nämlich die Sodalität des hl. Petrus Claver, einberufen hat. Im Laufe des Kongresses wurde oft dieser Sodalität, der jüngsten Blüte karitativer Missionsbestrebungen, gedacht. Ihr Zweck wurde erklärt, ihre Notwendigkeit dargelegt, man würdigte ihre bereits erzielten Früchte. Jene, die Gott zum Instrument ihrer Gründung erwählte, konnte sich nur sagen: „Ich habe gepflanzt, meine Mitglieder haben bebaut, Gott aber war’s, der das Gedeihen gab“ (vgl. 1 Kor 3,6). Und: „Kleines hat der Herr erwählt, um Grosses zu bewirken“ (vgl. 1 Kor 1, 26- 27). Und doch war die St.- Petrus-Claver-Sodalität berufen, die Ideen des grossen Apostels der Jetztzeit, des Kardinal Lavigerie, auszuführen. Als er im Auftrag des Hl. Vaters in den Jahren 1888 und 1889 Europa durchzog – wie ein zweiter Peter von Amiens – um das Feuer der Liebe in den Herzen der Sklaven zu entzünden, stand die Sodalität des hl. Petrus Claver bald darnach an erster Front. Ihre Mitglieder – gleichsam neue Vestalinnen christlicher Liebe – stellten es sich zur Aufgabe, nicht nur ein Jahr hindurch, sondern fortwährend durch eine unermüdliche Werbetätigkeit das Interesse für die unglücklichen afrikanischen Sklaven und ihre wahren Befreier, die katholischen Missionen, bei der Katholiken zu unterhalten.
Wann nahm die Antisklaverei-Bewegung in Österreich ihren Anfang? Und wie hängt sie mit der Entstehung der St.-Petrus-Claver-Sodalität zusammen? Wenige Tage nach der Veröffentlichung des feierlichen Rundschreibens an die Bischöfe Brasiliens am 24. Mai 1888 hatte Papst Leo XIII. zu dem von Liebe zu den armen afrikanischen Sklaven geprägten Kardinal Lavigerie die nämlichen Worte gesprochen wie einst Jesus zu seinen Aposteln: „Gehe hin!“ Und der Kardinal ging. – Seine Reise durch Europa war ein Siegeszeichen der Beredsamkeit und apostolischen Eifers. Zuerst erklang von der Kanzel der Kirche St. Sulpice zu Paris seine Stimme angesichts der Tausenden seiner Landsleute, um ihnen die Gräuel der afrikanischen Sklaverei zu enthüllen. Die Folge war die Gründung einer französischen Antisklaverei- Gesellschaft, die noch jetzt in schönster Entwicklung begriffen ist und an deren Spitze Msgr. Jourdan de le Passardière, Bischof von Rhosus [2], vom Hl.. Vater selbst bestellt wurde. Einen Monat später finden wir Kardinal Lavigerie in England, wo schon seit dem Jahr 1839 eine Antisklaverei-Gesellschaft bestand, die aber durch seine feurigen Worte einen neuen Impuls erhielt. Nach England folgt Belgien. Dort predigte Kardinal Lavigerie am 15. August 1888 in der Pfarrkirche von St. Gudule in Brüssel, um auch die Belgier, deren afrikanisches Ländergebiet am Oberen Kongo gleichfalls der Schauplatz der Sklaverei ist, zu wirksamem Mitleid aufzufordern. In kürzester Zeit waren BEF 200’000 eingegangen. König Leopold II. selbst schenkte dieser Bewegung seine vollste Unterstützung – die belgische Antisklaverei- Gesellschaft trat in Funktion. Da Kardinal Lavigerie verhindert war, persönlich nach Deutschland zu kommen, verfasst er eine Denkschrift an den Präsidenten des eben zu Freiburg im Breisgau tagenden Katholikentages. Dieser Appell wurde gehört. Einer der eifrigsten Werber für die Gründung eines Vereines im Sinne Kardinal Lavigerie war Kardinal Dr. Philipp Krementz (1819-1899), Erzbischof von Köln. Schon am 15. November 1888 vernahm Lavigerie, dass der „Afrika-Verein Deutscher Katholiken“ – so der offizielle Name – ins Leben getreten sei. Bis zur Stunde hat der Verein Grosses gewirkt, zumal durch Unterstützung der katholischen Missionen in den deutschen Schutzgebieten [3]. Endlich entstanden auch in Italien, in Spanien und Portugal Antisklaverei-Gesellschaften. Weitere Länder wie Holland, Schweden, die Schweiz, beteiligten sich an der allgemeinen Bewegung, wenn nicht durch Gründung von Vereinen, so doch durch Sammlungen und öffentliche Konferenzen.
Und unser geliebtes Österreich? Es wurde gestern Abend an der Festversammlung von einem der Redner die Meinung geäussert, besässe Österreich Kolonien in Afrika, würde das im katholischen Volk eine grössere Begeisterung für die Missionen auslösen, als viele Versammlungen, Reden und Broschüren es vermögen. Ich bin gerade entgegengesetzter Meinung und stolz darauf, dass Österreich noch keine Kolonien in Afrika besitzt, weil dadurch seine Missionstätigkeit umso idealer hervortritt. (grosser Beifall) Als die Antisklaverei-Bewegung überall um sich griff, da erinnerte sich auch Österreich, dass unter dem Protektorat Seiner Majestät, unseres allergnädigsten Kaisers, schon im Jahr 1848 österreichische Missionare in ein afrikanisches Land zogen, das eine wahre Fundgrube von „Sklavenware“ – wenn ich mich so ausdrücken darf – geworden war. Es geht um den lange Jahre hindurch verschlossenen, aber kürzlich für die Missionare neu geöffneten ägyptischen Sudan. Nein, Österreich konnte sich zur Sklavenfrage in Afrika nicht fremd stellen. Auch in Österreich fiel und zündete ein Funke des von Kardinal Lavigerie über ganz Europa geworfenen Ball. Man beschäftigte sich bereits im Dezember 1889 mit dem Plan, das grosse Befreiungswerk zu unterstützen. Aber leider entsprach die Ausführung nicht ganz dem Willen des Kardinals. Die Sache wurde nicht richtig angepackt. Dieser missglückte Anfang hätte der ganzen Antisklaverei-Bewegung in Österreich bald alle Sympathien genommen. Hier in Wien war am 14. Dezember 1888 in diesem Saal die erste Versammlung, bei der der Bevollmächtigte des Kardinal Lavigerie, ein Priester der Gesellschaft Jesus, und ein protestantischer Pastor sprachen. Man schritt zur Gründung eines Antisklaverei-Vereines und der Zeitschrift „Antisklaverei-Revue“ in deutscher und französischer Sprache. Doch die Kosten dieser „Revue“ verschlangen bald die geringen Einnahmen des Vereines, der ob seines interkonfessionellen, mehr humanitären Charakters nirgends Zustimmung fand. Nach wenigen Jahren folgte dem Ende der kostspieligen „Revue“ auch das Ende des Vereines. Erfreulichere Früchte als in Wien selbst brachte die Antisklaverei-Bewegung in einzelnen Orten und Städten des Kaiserreiches hervor. Der Reihe nach entstanden die Antisklaverei- Vereine in Nikolsburg in Mähren, Salzburg mit vielen Zweigvereinen (worunter der bedeutendste, der von Bregenz, noch heute existiert), Krakau, Olmütz und St. Pölten. Der Verein von Salzburg gab gewissermassen – nolens volens – die unmittelbare Veranlassung zur Entstehung und zur Gründung der St.- Petrus- Claver-Sodalität.
Erlauben Sie mir, verehrte Gäste, zum Verständnis der Sache zu erwähnen, wie ich persönlich in die ganze Aktion hineingezogen wurde. Als Kardinal Lavigerie predigend durch ganz Europa zog, wirkte ich in Salzburg am Toskanischen Hof. Obwohl ohne jegliches Interesse und Verständnis in bezug auf auswärtige Missionen, liess ich mir von einer protestantischen Dame [4] eine Broschüre über die Antisklaverei-Bewegung aufdrängen. Darin entdeckte ich die Rede, die Kardinal Lavigerie eben in London in der Princess-Hall gehalten hatte. Die Gräuel der Sklaverei, das physische und moralische Elend der armen Afrikaner, wovon ich las, erschütterten mich von Grund auf. Ein Satz aus dieser Rede entschied meinen Beruf: „Mögen die Frauen und Mädchen Europas, die Talent zum Schreiben haben, es wohl bedenken, dass es der Roman einer Frau war – „Onkel Tom’s Hütte“ [5] – der Veranlassung gab zur Aufhebung der Sklaverei in Amerika.“ Ich beschloss, meine Feder der Befreiung der armen Afrikaner aus den doppelten Sklavenketten zu weihen. (anhaltender Beifall) Um aber ganz sicher zu gehen, schrieb ich meinem Onkel, Kardinal Ledόchowski in Rom, ob dieser Vorsatz zu loben sei, oder ob der ganze Kreuzzug Lavigerie’s vielleicht ein Schwindel sei. (Heiterkeit) Die Antwort war eine beredte Aufforderung, an der Antisklaverei-Bewegung nach Kräften teilzunehmen. „Kein Zweck ist heiliger als dieser“, schrieb mein Onkel. Mit einem Theaterstück begann meine Missionskarriere. Ich verfasste das Drama „Zaida, das Negermädchen“ [6], das im Stadttheater in Salzburg im Frühjahr 1889 erfolgreich aufgeführt wurde. Gleichzeitig trat ich als Komitee-Mitglied einem Antisklaverei- Verein bei.
In diesem Sommer berief Kardinal Lavigerie einen Antisklaverei-Kongress nach Luzern, der aber leider abgesagt wurde. Ich selbst kam durch eine Fügung Gottes zur nämlichen Zeit nach Luzern, als dort mein Onkel, Kardinal Ledόchowski, und Kardinal Lavigerie – beide eng befreundet – weilten. Ich hatte in Axenstein bei Brunnen eine Unterredung von knapp 20 Minuten mit Kardinal Lavigerie. Es war das erste und letzte Mal in meinem Leben, dass ich mit dem grossen Apostel der Afrikaner sprach. Dieser Augenblick steht unauslöschlich in meiner Seele. Die Folge dieser Begegnung war ein eindrückliches offizielles Schreiben des Kardinals. Er bevollmächtigte und beauftragte mich, wo immer möglich Antisklaverei-Vereine zu gründen. Da ich aber infolge meiner Stellung beim Hof nicht in der Weise an die Öffentlichkeit treten konnte und wollte, übertrug ich diese Vollmacht auf eine Dame mit einem klangvollen gut katholischen Namen: Baronin Hammerstein-Stolberg. Sie gründete nun im Einvernehmen und mit Hilfe des hochwürdigsten Herrn Bischofs Dr. Rössler [7] von St. Pölten einen Antisklaverei-Verein auf streng katholischer Grundlage, der nach meinem Wunsch den übrigen Antisklaverei-Vereinen Österreichs als Muster dienen sollte. Aber da stiess ich bei dem Verein, dem ich selbst als Komitee- Mitglied angehörte, auf Hindernisse. Man war der Ansicht, auch Nichtkatholiken, und zwar nicht allein als Mitglieder, sondern auch als Komitee-Mitglieder zuzulassen. Dieser Versuch, für die Afrika-Bewegung alle Parteien zu interessieren und in Aktion zu bringen, entsprang gewiss den besten Intentionen. Unsere Verhältnisse in Österreich waren aber damals so und sind es wohl auch jetzt noch, dass man nur dann auf eine rege Teilnahme der entschlossenen Katholiken rechnen konnte, wenn man offen katholisch auftrat. (grosser Beifall) Dies umso mehr, da die ganze Antisklaverei-Bewegung notwendig mit den Missionen verbunden ist und es da keine Interkonfessionen geben kann. Ein zweiter Punkt, über den bald Meinungsverschiedenheiten entstanden, betraf die Verwendung des Geldes. Der Verein war unter der Schirmherrschaft des Kardinal Lavigerie entstanden und sollte gemäss seiner Statuten dazu beitragen, die von ihm eingeleitete Aktion zur Befreiung der Sklaven in Afrika zu unterstützen, ohne Unterschied der Nationalität. Aber bald wollte man einen ausschliesslich patriotischen Verein daraus kreieren, während ich dafür hielt, dass die Vereine dieser Art vor allem katholisch, aber international sein sollten. Dieser Ansicht wegen wurde mir vom Komitee der Abschied gegeben. (Heiterkeit) Vergebens sandte Kardinal Lavigerie seinen Vertreter, Weihbischof Brincat, im Frühjahr 1891 nach Wien, um Klarheit in der Sache zu schaffen. Es wurden General-Statuten entworfen, die allen Antisklaverei-Vereinen als Basis dienen sollten, aber es kam zu keinem Ergebnis. Um meiner Überzeugung Gewicht zu verschaffen, die dahin zielte, die ganze Antisklaverei-Bewegung auf rein katholischer Grundlage zu stellen, hatte ich schon im Herbst 1889 begonnen, fortlaufende Artikel über die Antisklaverei-Bewegung und die afrikanischen Missionen im St. Angela-Blatt zu veröffentlichen. Dies Dank Herrn Kanonikus Schöfleuthner, Redaktor dieser Schrift. Später gab er mir die Möglichkeit, dies in Form eines eigenen Beiblattes zu tun, das ich „Echo aus Afrika“ betitelte. Nach einem Jahr wurde es selbständig und ich war somit auf einmal selbst Herausgeberin und Redaktorin in einem geworden. Der erste Jahresabschluss dieser Zeitschrift wies ein Defizit von ca. Florin 300 auf. Damit begann ich. Doch bald mehrte sich die Abonnentenzahl. Unerwartet flossen Geldspenden ein. Ich wies sie an einzelne, mir bereits bekannt gewordene Missionare nach Afrika, wodurch eine lebhafte Korrespondenz entstand. Mein Doppelberuf – als Hofdame und als Redaktorin – drohte meine Kräfte aufzureiben. Ich ersuchte beim Hof um meinen Abschied und erhielt ihn.
Zurückgezogen in einem Asyl der Barmherzigen Schwestern wollte ich nicht nur meine Feder, sondern nun auch mein Leben in den Dienst der Missionen stellen. Ich sah, dass in Österreich noch viel, sehr viel mehr für die Missionen in Afrika geschehen könnte und sollte. Das Werk der Antisklaverei-Bewegung verlief noch immer nicht in der gewünschten Entwicklung. Da wurde ich aufmerksam auf den Marien-Verein, der zur Unterstützung der zentralafrikanischen Missionen schon im Jahr 1852 gegründet wurde. Auch diesem Marien-Verein sollte die Antisklaverei- Bewegung einen neuen Impuls geben. Der österreichische Episkopat hatte eben dessen Statuten einer Aus- und Umgestaltung unterzogen. Da ich anstrebte, dass mein „Echo aus Afrika“ und die ganze damit zusammenhängende Missionstätigkeit über meinen Tod hinaus in feste Hände komme, bot ich im Jahr 1893 dieses Blatt dem Marien-Verein als Organ an. Ich beschloss, es ihm zu attestieren. Von dem Wunsch beseelt, den Marien-Verein allmählich in allen Diözesen Österreichs zu organisieren, erbat ich mir von seiten des Vereins eine Ermächtigung zur Gründung von Frauen-Komitees in allen bedeutenden Städten Österreichs. Ich dachte, mit Frauen-Komitees fängt man an, die Herren werden dann schon nachkommen. Ich wollte also „commis voyageur“ des Marien-Vereins werden. (Heiterkeit) Aber der Mensch denkt und Gott lenkt! Auch dieser Plan zerschlug sich und ein zweites Mal stand ich mit meinen vielleicht allzu unternehmerischen organisatorischen Ideen allein da. Die göttliche Vorsehung wusste warum. Die Stunde der Gründung der Sodalität vom hl. Petrus Claver hatte geschlagen. Da inzwischen meine Arbeit im Dienst der afrikanischen Missionen ständig wuchs, sah ich mich genötigt, mein stilles Klosterrevier zu verlassen und mich nach Mitarbeiterinnen umzusehen. Zu diesem Zweck wurden vor dem Bild unseres grossen Patrons, des hl. Petrus Claver – das für den heutigen Abend aus dem Sprechzimmer der Jesuitenpatres hierher geholt wurde und deutlich auf uns niederschaut – die Statuten der zu gründenden neuen Gesellschaft, namens „Sodalität“ verfasst. Mit diesem Plan zog ich im Frühjahr 1894 nach Rom zum Hl. Vater, der mir seinen Segen und seine ganz spezielle Erlaubnis zur Gründung der „St.- Petrus-Claver-Sodalität“ gab.
Geschichte und Organisation dieser Sodalität ist bekannt. Wir organisierten uns als eine Vereinigung von Laien und Ordensleuten mit dem Zweck, in Wort und Schrift durch Propaganda zugunsten der afrikanischen Missionen Erfolge zu erzielen. Die Konstitutionen der Internen Mitglieder, die eine religiöse Kongregation bilden, wurden von Kardinal-Fürsterzbischof Haller [8] in Salzburg approbiert und von der Propaganda Fide in Rom offiziell gelobt. Die Generalstatuten, die das ganze Werk umfassen, tragen die Genehmigung von mehr als zwanzig Bischöfen Österreichs, Deutschlands, Italiens u.a. Nach sechsjährigem Bestehen besitzt nun die St.- Petrus- Claver-Sodalität in Salzburg das grosse Missionszentrum „Maria Sorg“ mit einer Missionsdruckerei. Hier stellt sie ihre Propagandaschriften und Bücher in den afrikanischen Sprachen zur Evangelisierung Afrikas her. Die Sodalität besitzt vier Filialen in den grösseren Städten Österreichs, zwei in Deutschland, eine in Frankreich, die alle von Externen Mitgliedern geleitet werden. Das „Echo aus Afrika“, das mit Florin 300 begann und dem ein Wiener Verlag nicht 2’000 Abonnenten prophezeite, erscheint bereits in einer Auflage von 25’000 Exemplaren in fünf Sprachen. (grosser Beifall) Die Summen, die bei uns für die afrikanischen Missionen eingingen und unter allen Missionen Afrikas ohne Unterschied der Nationalität verteilt wurden – nach der Bestimmung der Spender oder nach unserer eigenen je nach Hilfsbedürftigkeit – übersteigen schon die Summe von Kronen 300’000. Je mehr Sprachen wir in der Sodalität vertreten und damit das „Echo“ sprachlich erweitern können, umsomehr wird es offene Herzen für die Missionen finden.
Um zum Schluss des scheidenden Jahrhunderts – als dessen jüngstes Kind unter den Missionsgesellschaften die St.-Petrus-Claver-Sodalität sich nennen darf – dem Erlöser Christus ein Dank- und Lobopfer zu bringen, haben wir es gewagt, einen Antisklaverei-Kongress einzuberufen. Kühn war das Unternehmen, aber im Vertrauen auf Gottes Beistand wurde es begonnen, und – wie Herr Dr. Mioni bei der Eröffnung sagte – der Kongress muss gelingen. „Wer auf Gott vertraut, hat fest gebaut!“ (grosser Beifall) Wie seit dem Entstehen der Sodalität, so hat Gott der Herr auch jetzt dieses Unternehmen in Seine Hände genommen. Der Verlauf des Kongresses übertraf unsere Erwartungen. (grosser Beifall) „Nur Dir, o Herr, nur Dir, nur Deinem Namen sei die Ehr!“
Wir erwarten nun Früchte aus dem Kongress. Möge das Interesse für die afrikanischen Missionen in unserem vielgeliebten Österreich ein immer Regeres und Werktätigeres werden und die Missionsgesellschaften sich mehren. Wie wichtig ist es, dass die Missions- und Antisklaverei-Vereine erstarken. Diese Teilnahme an der Verbreitung des Glaubens im fernen Afrika kann für Österreich eine Gewähr sein, dass die Sonne des Glaubens – trotz aller gegenteiligen Bemühungen – an unserem Horizont nicht untergehen wird und wir nie und nimmer „Los von Rom“ rufen werden. Wir alle, die glücklich sind, mehr oder weniger am Heil der Seelen mitarbeiten zu dürfen, wollen den Wahlspruch der St.-Petrus-Claver-Sodalität immer tiefer erfassen:
„Unter allen göttlichen Dingen das Göttlichste ist, mit Gott zusammen zum Heil der Seelen zu wirken.“ [9] Und nun noch die Antwort auf die Frage, welche der Veranstalter des Kongresses, Herr Dr. Mioni, vorhin vor dem vollen Publikum an mich richtete: Der 1. österreichische Antisklaverei-Kongress hat in der Tat der St.- Petrus-Claver-Sodalität den Auftrag gegeben, sie möge noch ähnliche Kongresse wie den eben abgehaltenen zur Belebung des Missionsinteresses veranstalten. Die Sodalität wird mit Freuden an die Lösung dieser Aufgabe schreiten, wenn auch nicht gleich heute. Es ist daher die Veranstaltung eines 2. Antisklaverei-Kongresses in zwei, längstens drei Jahren in der Schweiz geplant, höchst wahrscheinlich in Luzern, wo die Sodalität bereits eine Abgabestelle besitzt. Im Blick darauf schliesse ich meine Ansprache und rufe allen verehrten Kongressteilnehmern zu: „Wenn Freunde auseinandergehen, so sagen sie auf Wiedersehen“. (anhaltender Beifall)
Maria Theresia Ledόchowska
[1] Der Text wurde von der Redaktion in Zug im Februar 2009 ins heutige Deutsch überarbeitet
[2] Jordan de le Passardière (1841-1913) Weihbischof von Rouen, Titularbischof von Rhosus.
[3] Deutsche Schutzgebiete: Kamerun, Kenia, Deutsch-Ostafrika, Togo.
[4] Baronin Maria von Haymerle.
[5] Roman von Frau Harriet Beechen Stawe (1811-1896), US-amerikanische Schriftstellerin.
[6] Das Drama wurde zudem im Jahr 1900 zwei Mal in Salzburg, und im April 1901 zwei Mal im grossen Musikvereinssaal in Wien mit grossem Erfolg aufgeführt. Es soll, so Gott will, noch an mehreren Orten zur Aufführung gelangen
[7] Dr. Johannes Baptist Rössler (1850-1927), Bischof von St. Pölten.
[8] Kardinal Johannes Haller (1825-1900), Fürsterzbischof von Salzburg.
[9] „Omnium divinorum divinissimum est cooperari Deo in salute animarum“ (Unter allen göttlichen Dingen das Göttlichste ist, mit Gott zusammen zum Heil der Seelen zu wirken.) Pseudo-Dionysius Areopagita V./VI. Jh.

