Ein Hilfswerk für Afrika – Luzern

Vortrag gehalten von Gräfin Maria Theresia Ledόchowska im Saal der „Union“ in Luzern

am 2. Oktober 1902 [1]

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.

„Ein Hilfswerk für Afrika!“ Besser: Ein Hilfswerk für Gott, zu Seiner Ehre, zum Heil unserer Seele und schliesslich zugunsten unserer Brüder und Schwestern in Afrika. Diesen wollen wir helfen, aber wie? Der gezielteste Weg dazu geht durch Teilnahme an der St.Petrus-Claver-Sodalität zugunsten der afrikanischen Missionen. Viel schon wurde über dieses Werk geschrieben, manches gesprochen, doch bleibt es immer mehr nur bekannt als anerkannt. Da man schwerlich an einem Werk teilnimmt, dessen Tragweite man nicht, oder nicht genügend kennt, ist eine Auseinandersetzung die Grundbedingung zu seiner Ausbreitung.

Gestatten Sie mir also, Ihnen das Werk vorzustellen:

  • Zweck der St.-Petrus-Claver-Sodalität
  • Mittel zur Erreichung ihres Zweckes
  • Organisation
  • Erfolge

  • Der Zweck der St.-Petrus-Claver-Sodalität ist ein apostolischer, nämlich die Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden und besonders das Seelenheil der Afrikaner durch Unterstützung der katholischen Missionare und Missionsschwestern, die an Ort ihr verdienstvolles Wirken entfalten. Das Werk der Heidenmission ist, wie Sie wissen, so alt wie die katholische Kirche selbst. Vom Augenblick an, da der Herr seinen Aposteln – ihnen gleichsam sein Testament hinterlassend – den Auftrag gab, hinauszuziehen in die ganze Welt und das Evangelium allen Völkern zu verkünden, hat es Missionare gegeben. Die ersten waren die Apostel selbst, dann ihre Nachfolger, die Glaubensboten und alle, die sie unterstützen. In gewissem Sinn sind wir dies alle und täglich, wenn wir mit den Worten des Herrn im Vaterunser beten: „Zu uns komme dein Reich!“ Es komme zu uns allen, zu den Weiss-, Schwarz-, Gelb- und Rothäutigen. Alle Missionare brauchen unsere Hilfe und sind, um den Befehl des Herrn zu vollziehen, auf unsere Unterstützung angewiesen. Unter den hilfsbedürftigen Missionen nehmen zweifellos die afrikanischen Missionen den ersten Platz ein. Weshalb? Afrika, dreimal so gross wie Europa, lag am längsten unter allen Weltteilen in der Finsternis der Barbarei und des Heidentums. Es schien förmlich, auf Afrika vergessen zu haben. In den letzten fünfzig Jahren ist es plötzlich anders geworden. Mir erscheint Afrika – verzeihen Sie den Ausdruck – wie ein grosser Kuchen, über den gewinnsüchtige Kolonialpolitiker und seelenhungrige Glaubensboten gleich eilfertig herfallen. Jeder will sein Stück haben, jeder will seinen Zweck dabei erreichen. Wer aber kann einen wahren, dauernden Erfolg für die Zivilisation und Christianisierung Afrikas aufweisen? Nach den bisherigen Ergebnissen sicher nicht die Kolonialpolitiker und habgierigen Händler. Das sehen wir bei den Aufständen der Eingeborenen, denen in neuester Zeit sogar einer der eifrigsten Missionsbischöfe, Msgr. Spiess, den ich persönlich kennen lernen durfte, zum Opfer gefallen ist. Sind die Eingeborenen einmal durch ungerechte Gesetze und Steuern zur äussersten Wut getrieben, dann unterscheiden sie auch unter den Weissen nicht mehr.

Schutz und Erziehung der Eingeborenen soll unser Bestreben sein. Beides gedeiht nur auf dem Boden des Christentums. Die Missionare setzen sich für die Erziehung ein. Dazu bedienen sie sich nicht der Nilpferdpeitsche, sondern des lebendigen Christentums. Etwa 2100 Missionare und noch mehr Missionsschwestern teilen in Afrika diese friedliche Eroberungsarbeit. Und Gott segnet ihre Mühen, ihre Arbeiten. In manchen Teilen Afrikas, besonders im Innern des Landes wie zum Beispiel in Uganda und an den Grossen Seen, entstehen blühende Christengemeinden. Kapellen und Kirchen werden erbaut, Schulen und Spitäler errichtet und Werkstätten unterhalten. Die Afrikaner lernen lesen, schreiben, rechnen und werden so zuerst schulisch ausgebildet, dann zu Christen erzogen. Dieses Vorgehen bedeutet kein Zurückdrängen oder gar ein Ausrotten der Schwarzen, vielmehr geht es um ihre ethische und religiöse Förderung. An Aufnahmefähigkeit für Schulung und Christentum fehlt es dem Afrikaner keineswegs. Erst neulich las ich im Jahresbericht eines einzigen apostolischen Vikariates, dass sich dort gegenwärtig 16’000 Katholiken und 12’000 Katechumenen befinden. Auf diese 16’000 Katholiken kamen im Jahr 1904 ungefähr 72’000 Beichten und 73’000 Kommunionen. Solche Zahlen sprechen deutlich gegen die Einwände, die wegen des Wirkens der Missionare vorgebracht werden. Es liegt also gewissermassen im Interesse der christlichen Welt, ja Europas, dass das segensreiche Wirken katholischer Missionare gefördert werde. Achten wir darauf, wohin eine verunglückte Kolonialpolitik führen kann. Entweder wird Afrika christlich – Dank den Missionaren – oder es fällt dem Islam zum Opfer. Dann haben wir das Vordringen des Halbmondes nicht mehr vom Osten wie zur Zeit Sobieskis, sondern vom Süden her zu fürchten.

Die Missionare verfügen über geringe irdische Mittel. Sie müssen alles Geld für ihre Tätigkeit mühsam erbetteln. Geld regiert die Welt. „Mit Geld aber in den Händen der Missionare könnte Afrika in fünfzig Jahren katholisch sein“, sagte mir ein erfahrener Afrika-Missionar. Die Ausbreitung des Evangeliums, die heiligste Tat, ist durch Zulassung Gottes dem Geld unterworfen. Warum? Vielleicht deshalb, um den irdischen Glücksgütern leichter entsagen zu können, da wir sie einem höheren Zweck zuwenden. Die afrikanischen Missionen sind wegen der Transportschwierigkeiten wohl auch die kostspieligsten unter allen. Aber auch der elementaren Ereignisse wegen, die ständig diesen heimgesuchten Weltteil belasten: Zyklone, Erdbeben, Dürre, Heuschreckenplage, furchtbare Krankheiten wie der Aussatz und jetzt die Schlafkrankheit, ein mörderisches Klima. All dies erschwert die Arbeit der Missionare enorm und verschlingt ungeheure Summen, auch wenn man das Elend nur einigermassen steuern will. Wir erschaudern bei den Nachrichten über das Erdbeben aus Kalabrien, weil uns der Schauplatz dieser Katastrophe örtlich näher liegt und alle Tagesblätter herzzerreissend darüber berichten. Die christliche Caritas vereint Nationen und Konfessionen zu einem berührenden Wettbewerb zur Linderung des Elendes. Niemand kann sagen: „Was gehen uns die an?“ Solche schreckliche Katastrophen wiederholen sich in Afrika dauernd. Ich erinnere nur an die entsetzliche Plage der Schlafkrankheit, der in Afrika in jüngster Zeit über 200’000 Eingeborene zum Opfer fielen. Nur liegen sie uns ferner, und wir kennen die Not der Missionare nicht, für die gerade solche Zeiten ein grosser Erfolg bedeuten würde, hätten sie die nötigen Mittel. Sehr richtig bemerkte neulich das katholische Blatt „Der Elsässer“: „Wollte man die 6-7 Millionen, die die Schutztruppen in den deutschen Kolonien kosten, den Missionen geben, würde es um die Ruhe und Ordnung in Afrika viel besser stehen.“ Weit entfernt von 6 Millionen kann beispielsweise das Werk der Glaubensverbreitung bloss 1 ½ Millionen Kronen jährlich den afrikanischen Missionen spenden. Was ist das für die grossen Bedürfnisse! Hilferufend blickt der afrikanische Missionar auf seine Glaubensgenossen und Landsleute in Europa. Von ihnen erwartet er vor allem Gebet, denn dadurch erlangt er alles: Die persönliche Hingabe und den „nervus rerum“ – das Geld. Um ihm dies ausreichender als bisher zu verschaffen, entstand das Hilfswerk, das sich St.-Petrus-Claver-Sodalität nennt, und als Schutzpatron den hl. Petrus Claver hat.

  • Mit welchen Mitteln erreicht diese Sodalität ihren Zweck? Vor allem nicht durch eindringliches Sammeln regelmässiger Beiträge, denn sie ist kein Sammelverein; wohl aber durch Bekanntmachung der Missionen und ihrer Bedürfnisse sowie durch Weckung des Interesses dafür. Sie ist das In-Bewegung-Setzen, also ein Agitationsverein, eine Propaganda-Gesellschaft zugunsten der afrikanischen Missionen. Wie aber setzt sie diese Werbung ein? Vor allem durch die Presse; sie ist die Grossmacht der Neuzeit. Die Sodalität gibt zwei Monatsschriften heraus, das
  • „Echo aus Afrika“ und die „Kleine Afrika-Bibliothek“. Sie erscheinen bis jetzt in acht Sprachen, fliegen in rund 40’000 Exemplaren monatlich durch die Welt und erzählen von den Leiden und Freuden der afrikanischen Missionaren. Diese Monatsschriften sind die vorzüglichen Sammler. Als im Winter 1905-1906 eine beängstigende Hungersnot einen Teil Afrikas erfasste, appellierte das „Echo“ so eindringlich an die Herzen seiner Leser, dass innerhalb dreier Monate rund 74’000 Kronen zugunsten dieser Hungersnot bei uns eintrafen. Alles freiwillig eingegangenes, nicht eingesammeltes Geld. Überall klopft das „Echo“ an, bei Reichen wie bei Armen, niemand überhört seine Stimme. Selbst arme, polnische Soldaten bringt es in Bewegung durch seinen Widerhall (Echo). So erhielt ich einmal von einem solchen, der in den Krieg nach Ostasien zog, unmittelbar vor seiner Abreise 6 Rubel in einem Brief, in dem er schrieb, er sei glücklich, noch diesen letzten Betrag seinen ärmsten Brüdern und Schwestern in Afrika übermitteln zu können. Russland, Kaukasien, selbst Charbin [2] hat im „Echo“ seine Leser, und auch die afrikanischen Missionen haben dort ihre Wohltäter. Deshalb tut auch jener, der die Missionen liebt, ein gutes, ja beste Werk, einen solchen kleinen Boten mehr in die Welt zu schicken. Denn er weiss, dass das geschenkte Abonnement von Krone 1.50 ein kleiner Beitrag ist zu den Tausenden Kronen, die dadurch den Missionen zufliessen.

Doch mit den Zeitschriften ist die schriftliche Werbung nicht erschöpft. Die St.-Petrus- Claver-Sodalität gibt zudem in ihrer eigenen Druckerei in Maria Sorg bei Salzburg eine grosse Anzahl Faltblätter mit Infos über die Missionen kostenlos heraus. Sie veröffentlicht zu sehr niedrigen Preisen Broschüren und kleine Abhandlungen. Sie druckt ferner Bücher in afrikanischen Sprachen zuhanden der Missionare. Zu allem kommt die mündliche Propaganda. Die Sodalität veranstaltet, wo immer möglich, Missionsversammlungen, Missionsvorträge, Feste und Theateraufführungen. In ihren Filialen errichtet sie afrikanische Museen, in der Absicht, die afrikanische Kultur zu fördern. Kurzum, sie benützt alle Mittel, um die Aufmerksamkeit auf die Missionen zu richten und dadurch Spenden in Geld und in Gebrauchsgegenständen zu erhalten, Missionsberufe zu wecken und zur Gebetshilfe für die Missionare aufzurufen. Für die St.-Petrus-Claver-Sodalität ist es Nebensache, ob die durch ihre Animation hervorgerufenen Spenden bei ihr einlaufen, oder den Missionen direkt zufliessen. Wichtig ist ihr, das Augenmerk auf Afrika zu lenken. Eine so umfassende Werbung braucht selbstverständlich ein wohlgeordnetes Hilfscorps zur Realisierung.

  • Damit komme ich zum dritten Punkt meines Vortrages: zur Organisation der Claver-Sodalität. Sie setzt sich zusammen aus einem religiösen Institut, aus gläubigen Personen, Externen Mitgliedern und Förderer, die die Mitglieder des Institutes, die Sodalinnen des hl. Petrus Claver, in ihrer Tätigkeit unterstützen und ergänzen. Durch ihre spezifische Organisation unterscheidet sich die St.-Petrus- Claver-Sodalität von allen anderen Missionsvereinen, und sie ist deshalb für die Missionen von entschiedener Bedeutung. Vereine und Komitees können heute gedeihen und Morgen sich auflösen; die Wohltäter können heute für die einen grossmütig  spenden,  und  Morgen  ihre  Gaben  einem  anderen,  ihnen  noch notwendiger erscheinenden Zweck zuwenden. Es kann Krieg oder ein Kulturkampf über ein Land kommen, dann sind alle, selbst die Priester, die mit dem Werk der Glaubensverbreitung in Verbindung waren, genügend im eigenen Land beschäftigt. Wer denkt da noch an die armen Afrikaner? Nicht so bei den Mitgliedern eines religiösen Institutes, die die Missionsunterstützung als Lebensaufgabe erfasst haben. Mag kommen was will: Ihr Wirken, Sinnen und Bemühen um Afrika bleibt und setzt sich fort in ihren Nachfolgerinnen. Nicht nur für die Fortdauer, sondern auch für die gute Ordnung in der Verteilung der Missionsspenden steht die St.-Petrus-Claver- Sodalität (mit ihrem religiösen Institut als Basis) als beste Garantie. Alle afrikanischen Missionare und Missionsgesellschaften erhalten Unterstützung, je nach ihrem Bedürfnis. In verschiedenen Missionen ist mit Wenigem viel auszurichten, etwa mit einer Schere oder einer Handvoll Salz ein Kind loskaufen. In anderen Missionen hingegen erreicht man selbst mit viel Geld nur wenig. Der einzelne Spender kann die Bedürfnisse der zahllosen Missionsstationen nicht genau kennen. Wenn er nun seine Gabe direkt nach Afrika sendet, liegt es nahe, dass einzelne wenig bedürftige Missionen sehr viel erhalten, während andere, die in Angst und Sorge um ihre Existenz ringen, leer ausgehen. Ferner hängt die grössere oder geringere Bedürftigkeit der Missionen – und damit unseren Unterstützungsbeitrag – vielfach auch davon ab, ob die Missionsgesellschaften in den europäischen Ländern für ihre geistlichen Mitbrüder in den Missionen sorgen können oder nicht.

Die St.-Petrus-Claver-Sodalität steht im ständigen Kontakt mit allen Missionsgesellschaften Afrikas, zu dem ein Komitee oder ein Sammelverein nicht in der Lage wäre. Sie erfährt alle ihre Bedürfnisse und weiss, wo und wann Hilfe Not tut. Sie kennt auch besser als Privatpersonen jene Missionsgesellschaften, die sich selbst Mittel verschaffen und welche nicht. Jeden Monat werden die Gelder mit genauer Berücksichtigung der Bedürfnisse verteilt und gezielt versandt. Am Ende des Jahres wird darüber ein detaillierter Nachweis der Kongregation der Propaganda Fide in Rom vorgelegt, die ihn prüft und gutheisst. Dadurch erhält die Propaganda Fide genauen Einblick in die Verteilung der Spenden an die verschiedenen Missionsstationen, was bei manchen Missionsvereinen fehlt. Die Mitglieder dieses Institutes, also die Sodalinnen des hl. Petrus Claver, opfern sich, wie Missionsschwestern selbst, gänzlich dem Seelenheil der Afrikaner. Sie selbst gehen nicht nach Afrika in der Überzeugung, dass die Hilfsarbeit hier, das heisst, die Zuführung der notwendigen Mittel zur Ausübung des Apostolates, ebenso notwendig ist, wie Missionstätigkeit vor Ort. Ihre Arbeit ist vor allem eine intellektuelle und besteht im Redigieren, Korrespondieren, Rechnen und dergleichen. Zu diesem Beruf eignen sich vorzüglich junge Frauen mit höherer Bildung und Erziehung. In beschränkter Zahl finden auch mehr handwerklich gebildete Mädchen Arbeit im Haus, beim Expedieren der Zeitschriften, in der Setzerei, Spedition u.a. Spricht der Beruf einer Sodalin des hl. Petrus Claver auch weniger die Fantasie und das Gefühl an wie bei einer Missionsschwester, so bleibt er doch reich an Opfern und Verdiensten. Oder ist es etwa gering, durch ein stilles Wirken in der Redaktionsstube, am Schreibtisch, in der Expedition, die Mittel aufzuspüren, damit die Priester und Missionare in ihrem Bereich in Afrika tätig sein können? Ist es nicht sogar verdienstvoller, sich um die Priester in Afrika zu bemühen, statt selbst als Missionsschwester hinzueilen? Oder Wohltäter zu begeistern, die den Unterhalt von afrikanischen Seminaristen auf sich nehmen? Oder Bücher, Evangelien, Katechismen zu drucken, die ganzen Volksstämmen in Afrika das Licht des Glaubens bringen? Möchten doch viele den apostolischen Beruf der Hilfsmissionarin als Gottesgeschenk annehmen und seinem Ruf eilig und entschieden folgen. Gott gibt zuweilen den Anruf in einer einzigen Stunde – und dann ist er verpasst. Doch auch Personen, die sich unserem Werk nicht ausschliesslich verpflichten können, sollen mithelfen. Daher hat die Sodalität Externe Mitglieder und Förderinnen und Förderer. Die Externen verpflichten sich dem Werk soweit ihre Standespflichten es ihnen erlauben, oder sie stellen sich der Sodalität ganz zur Verfügung bei der Leitung von Filialen, zur Mitarbeit in den Häusern des Institutes u.a. Die Förderer und Förderinnen unterstützen die Sodalität durch eine jährliche Gabe von mindestens 2 Kronen und tun das, was die Überzeugung ihnen eingibt. Der Förderer-Beitrag ist niedrig, der geistliche Gewinn hoch. Denn die Förderer nehmen geistigen Anteil an den Opfern, Gebeten und guten Werken der zahlreichen Missionaren, die durch den Anschluss aller Missionsgesellschaften Afrikas mit der Claver-Sodalität verbunden sind und von ihr unterstützt werden. Es sind dies zum Beispiel die Weissen Väter, die Väter vom Hl. Geist, Jesuiten, Pallotiner, Kapuziner, Franziskaner, Lyoner Missionare, Benediktiner von St. Ottilien, Oblaten Mariä Immakulata und Oblaten des hl. Franz von Sales, Söhne des hlgst. Herzens, u.a. Auch ins Gebet der dankbaren christlichen Afrikaner für die Sodalität und ihre Wohltäter sind die Förderer einbezogen. Wirklich ein leuchtender Hoffnungsstern in die ernste Stunde der Nacht, der keiner entgeht.

  • Sehen wir nun, was die St.-Petrus-Claver-Sodalität mit ihrem wohlgeordnetem Heer von Helferinnen für Afrika erreicht hat. Rund 1 ¼ Millionen Kronen wurden in den 14. Jahren ihres Bestehens von den durch sie gewonnenen Wohltätern für Afrika gespendet. Im vergangenen Jahr allein brachten die Einnahmen 172’000 Kronen. Viele hundert Sklaven konnten losgekauft und Kinder adoptiert werden. 32 Afrikaner wurden durch Wohltäter zu Priestern herangebildet. Hunderte von Kisten mit Paramenten, liturgischen Gefässen und nützlichen Gegenständen im Wert von 350’000 Kronen fanden den Weg in den Schwarzen Kontinent. Die Missionare wissen das Wirken der St.-Petrus-Claver-Sodalität, ihre „Mutter der Missionare“ wohl zu schätzen. Dieses Prädikat gilt jedoch zuerst all jenen Armen wie Reichen, die die Anliegen der Missionare begreifen und, mittels ihres oft mühevoll verdienten Geldes, deren Verwirklichung ermöglicht haben. Ihnen rufe ich heute öffentlich im Namen aller ein herzliches Dankwort zu.

Zur Frage, wie denn dieses noch junge und doch sich ausgeweitete Werk entstanden ist: Die Zeit läuft, so darf ich Sie nicht mit der Entstehungsgeschichte des Werkes länger in Anspruch nehmen. Nur so viel dazu: Es begann – vielleicht ein novum für ein religiöses Institut – mit einem Theaterstück. Die Theaterverfasserin steht vor Ihnen. Mehr dazu finden Sie in einem blauen Heftchen mit dem Titel

„Entstehungsgeschichte der St.-Petrus-Claver-Sodalität“, das Ihnen zum Preis von 10 Heller zur Verfügung steht. Wichtig scheint mir dabei, den streng kirchlichen Standpunkt, den das Hilfswerk seit seinem Beginn einnahm, sowie den besonderen Schutz der Kirche. Das erklärt Ihnen auch dessen Erfolg. Begonnen in Rom mit dem Segen Leo XIII. im Jahr 1894 und der Genehmigung der General-Statuten der Sodalität von vielen Bischöfen, folgte zwei Jahre später von Fürsterzbischof Haller [3] von Salzburg die Bestätigung der Sodalität des religiösen Institutes. Fünf Jahre später nimmt die Kongregation der Propaganda Fide die Sodalität direkt unter ihre Jurisdiktion. Das bedeutete eine grosse Auszeichnung, denn es war der erste Fall, dass eine Missionsgesellschaft nicht selbst in die Missionsländer zieht, sondern aus der Ferne für die Missionen arbeitet. Im Jahre 1902 ging die Propaganda Fide noch weiter, indem sie die Konstitutionen des Institutes approbierte. Seither gibt sie der Sodalität unablässig Beweise ihres Wohlwollens durch Belobungsschreiben, Zuwendung besonderer Privilegien u.a. Dies beweist die Überzeugung der Propaganda Fide von der Bedeutung des Werkes für die Ausbreitung des Glaubens in Afrika. Unter ihrem Schutz ist gut zu sein, und wir danken Gott für diese grosse Gnade.

Auch unser Hl. Vater Pius X. ist ein mehrjähriger Freund der Sodalität. Vor einigen Jahren erhielt ich in Salzburg einen Brief von einem mir unbekannten Bischof, dem Patriarchen Sarto von Venedig. Ein Priester hätte ihm von der Sodalität erzählt. Dieses Werk, das auch den Ärmsten zugänglich ist, habe ihn so sehr angesprochen, dass er es auch in seiner Diözese einzuführen wünsche. Er bat um meinen Besuch in Venedig, um persönlich mehr über die Sodalität zu erfahren. Zweimal liess ich mir das nicht sagen. Mit grosser Güte empfing mich der Patriarch, approbierte die General-Statuten der Sodalität und ermunterte mich, nach Rom zu reisen, um auch dort die Approbation des religiösen Institutes zu erbitten. Er selbst trug bei, dass das

„Echo“ in Venedig viele Abonnenten gewann. Noch im Jahr seiner Papstwahl, im Juni 1903, sass ich über eine halbe Stunde im apostolisch einfachen Schreibzimmer des leutseligen Patriarchen. Welche Freude bei seiner Papstwahl! Seither war ich schon öfter beim Hl. Vater in Privat-Audienz, und wiederholt gab Pius X. der Sodalität Beweise seiner Sympathie. Im Jahr 1904 schickte er ein erfreuendes Breve an die Sodalität, worin er den hl. Petrus Claver als ihren Patron bestätigte und die Muttergottes vom Guten Rat als besondere Schutzpatronin bestimmte. Zwei Päpste haben somit die Sodalität gesegnet, und so bestätigte sich das Wort: „Der Segen des Vaters baut den Kindern Häuser.“ Die Sodalität mit ihrem apostolischen Anfang in einer kleinen Mietwohnung in Salzburg, besitzt heute zwei Niederlassungen: Eine in Maria Sorg bei Salzburg, in der sich auch die Missionsdruckerei befindet, die andere in Rom auf dem Monte Esquillino, in nächster Nähe von Sta. Maria Maggiore. Hier ist das Zentralhaus des ganzen Werkes. Der richtige Platz für ein internationales Werk wie die Claver-Sodalität. Ihr Zentrum ist nun in Rom, der Weltstadt, und unter den Fittichen des Vatikans.

Filialen der Sodalität – von Externen Mitgliedern oder Förderinnen geleitet – stehen sechs in Österreich, zwei in Deutschland, je eine in Frankreich, Italien und Zug (Schweiz). Nach vierzehnjährigem Bestehen ist die Sodalität bereits in verschiedenen Ländern präsent. Die Spenden, die sie nach Afrika schickt, nehmen kontinuierlich zu. Selbst jene, die anfänglich dem Werk als Neuling Misstrauen oder Zurückhaltung ausdrückten, erkannten hier den Fingerzeig Gottes. „Ist aber Gott mit uns, wer ist dann wider uns?“ (Röm 8,31) Und was vermögen Widersacher oder Verleumder gegen uns? Darum, verehrte Anwesende, darf ich Sie bei diesem gottgewollten Werk, sei es auch nur durch ein Abonnement oder durch Beitritt, als Förderer zur Mitwirkung einladen.

Der Augenblick ist wichtig. Einerseits öffnen sich die Länder Afrikas dem Christentum, so kürzlich das Land Rhodesien [4], das grösser ist als das europäische Russland, anderseits droht den afrikanischen Missionsgesellschaften infolge des Kulturkampfes in Frankreich eine bedeutende Abnahme der Hilfsmittel. Was tun? Sollen wir den protestantischen Missionaren das Heft der Glaubensbotschaft überlassen? Spannen wir uns nicht mit voller Energie ein, kann dies geschehen.

Zum Schluss nur noch drei kurze Argumente, die häufig auftreten und mit denen auch Sie, verehrte Damen und Herren, konfrontiert werden, wenn Sie sich für das Abonnieren und Verbreiten des „Echo“ und die Anwerbung von Förderern einsetzen. Man wird Ihnen einwenden:

1. Ihr würdet besser tun, die Afrikaner in Ruhe zu lassen. Hier muss unterschieden werden, wer die Afrikaner in Ruhe lassen soll. Wenn gewisse Herren Europas nach Afrika reisen, um dort die Einheimischen zu unterdrücken, Ihnen das Beispiel der Sittenlosigkeit zu bringen, oder um sich als die Beherrscher des Landes aufzuführen, und den Afrikanern die „Wohltaten“ der Steuern aufzubürden, dann, ja dann würden sie besser in Ruhe gelassen werden. Wenn aber die Missionare hinziehen, um die Eingeborenen erst einmal zu schulen und sie zu Christen zu formen, um ihnen die Glückseligkeit des Himmels zu erschliessen, dann sollte doch jeder Gläubige diese „Ruhestörung“ zugunsten der Afrikaner einsehen.

2. Oder man hört: Wozu so viel Geld aus dem Land tragen, wo es eigene Not gibt. Verehrte Anwesende, solche Zweifler sind nicht Gebende, sondern Habende. Nach ihnen soll wegen der Missionsunterstützung den karitativen Werken im eigenen Land kein Heller entzogen werden. An uns ist es, die Leute auch für die Missionen zu mobilisieren im Sinne, das eine zu tun, das andere nicht lassen. Meiner Überzeugung nach gibt es im Land Geld genug für die Armen, es muss nur richtig verteilt werden. In Deutschland sind acht Millionen Liter Bier und in Frankreich sechs Millionen Liter Wein jährlich konsumiert worden. Welche Geldsumme! Dazu kommt, dass überall viel weniger Leute an Hitzschlag gestorben wären, hätten sie den Alkohol wenigstens in geringerem Masse genossen. Hätten wir alle eine bescheidenere Lebensweise im Blick, zu dem uns Pfarrer Kneipp rät, wären wir an Leib und Seele frischer und unsere Beutel voller für hier und dort. Was die Werbung unserer Sodalität betrifft, ist nicht das Geld primär, vielmehr der Gewinn an Zeit und die Anwerbung von Arbeitskräften

3. Im weiteren beklagt man sich: Warum kümmern wir uns um die afrikanischen Heiden, da wir sie im eigenen Land bekehren sollten? Ich weiss, dass es bei uns, in den kultivierten Ländern soziale und Missionsarbeit genug gibt. Dazu beruft der liebe Gott ja ohnehin die weitaus grössere Zahl der Arbeiterinnen und Arbeiter. Doch wenn Er auch dem Werk für die afrikanischen Missionen einen Brosamen zuspricht, indem er einem Herzen den Gedanken eingibt – wie zum Beispiel mir und meinen Gefährtinnen – sich Ihm für das Heil der Afrikaner zur Verfügung zu stellen, dann bleibt nur ein herzhaftes Ja. „So, wie Gott einen jeden berufen hat, also wandle er“ sagt der hl. Paulus (vgl. 1 Kor 7, 20). Schreibt etwa der unbehauene Steinblock dem Bildhauer vor, was er aus ihm meisseln soll? Oder befiehlt das Lasttier seinem Führer, wohin er es führen soll? Lassen wir doch jene ziehen, die Gott für die afrikanischen Missionen ruft, sich als Internes oder Externes Mitglied der Sodalität zu weihen, oder ihr nur als Förderin oder Förderer beizutreten. Unsere eigenen Heiden verlieren dadurch nichts. Gerade weil wir selber in Gefahr sind, Neuheiden zu werden, wird uns die Anstrengung, die wir für die noch Ungläubigen aufbieten, den Segen Gottes im eigenen Land erfahren lassen. „Wer eine Seele rettet, hat seine eigene vorherbestimmt“, sagt der hl. Augustinus. Übersehen wir nicht, dass unser Werk ebenso viele Früchte des Glaubens in Europa einbringt wie Afrika. Werden die 40’000 Monatszeitschriften von den Schwarzen oder den Weissen gelesen? Und werden die vielen Spenden, vermerkt im „Echo“, nicht als christliche Werke verzeichnet? Meinen Sie, dass der Arbeiter als „Echo“-Leser – ich kenne deren nicht wenige – unter den Sozialdemokraten zu finden ist? Es ist in Wien schon vorgekommen, dass Sozialdemokraten mir zuhörten und dabei einer, dem das Elend der Sklaven zu Herzen ging und ihm die Augen öffnete, mit einer vollen Sammelliste von 30 „Echo“- Abonnenten zu mir kam. Er hat sich später bekehrt und ist heute ein eifriger Besucher der Jesuiten-Kirche in Wien. Auch die Kinder und Jugendlichen, die die „Kleine Afrika-Bibliothek“ lesen und für die Afrikaner Geld sparen statt Kinderbälle zu besuchen, werden durch das Missionsinteresse vor mancher schlechten Lektüre und falschen Schritten bewahrt. Und der Mädchenschutz hätte wohl mehr Freude, wenn seine Töchter über die Missionen lesen und sich für diese engagieren würden, denn als Weltenbummlerin auszuziehen und mit einer oberflächlichen Bildung ihr zeitliches und ewiges Glück in Frage zu stellen.

Verehrte Anwesende, lassen wir uns durch solche Einwände nicht entmutigen. Packen wir an und freuen wir uns, leicht und dynamisch im Dienst der Missionen zu stehen dank der Teilnahme an der St.-Petrus-Claver-Sodalität. Das Leben ist kurz und die Ewigkeit lang. Hinüber nehmen können wir nichts, weder Reiche noch Arme. Widerfinden können wir alles, so auch der Verdienst für die Spenden und die geschenkte Zeit. So hoffe ich, meine Lieben, dass auch diese Stunde, die Sie für Gott und für Afrika hier geschenkt haben, einst in der Ewigkeit vergolten wird, besonders wenn Sie zu einem engeren Anschluss an die St.-Petrus-Claver-Sodalität gefunden haben.

Das gebe Gott!

Maria Theresia Ledόchowska



[1] Der Text wurde von der Redaktion in Zug im März 2009 ins heutige Deutsch überarbeitet.

[2] Charbin wurde 1898 im Zusammenhang mit der von Russen errichteten „Ostchinesischen Eisenbahn“ zur Handelsstadt ausgebaut.

[3] Kardinal Johannes Haller (1825-1900), Fürsterzbischof von Salzburg.

[4] Rhodesien = heutiges Simbabwe und Sambia