Die Gesellschaft vom Hl. Petrus Claver

Ein Liebeswerk im Grossen Vortrag an die Schweizerische Katholische Volksbewegung in Fribourg 1906 [1]

Sehr geehrte Versammelte!

Der selige Pfarrer von Ars [2] pflegte zu sagen: Die Gabe des Rates lässt uns die Dinge im Grossen sehen. Die Schweizerische Katholische Volksbewegung besitzt in der Tat diese Gabe des Rates, weil sie die Nächstenliebe im Grossen sieht.

Nachdem wir interessante Berichte über die lokale und patriotische Liebestätigkeit gehört haben, erlauben Sie mir, Ihnen von einem Liebeswerk im Grossen zu sprechen, einer Nächstenliebe, die weder an der Grenze des Vaterlandes, noch Europas Halt macht. Es geht um die Liebe Christi, die keine Grenzen kennt und sich auch jenseits der Meere ausdehnt, um dort unseren unglücklichen Brüdern und Schwestern, die noch im Schatten des Todes leben, zu helfen. Ich will Ihnen ein Missionswerk vorstellen, das die Missionare in fernen Gebieten bei der Verkündigung unterstützt, nämlich das Werk des hl. Petrus Claver. Es ist ein geniales Liebeswerk, das den Boten des Evangeliums aus der Ferne beisteht. Alle Missionen mit ihren Missionaren brauchen dringend unsere Hilfe. Aber unter allen Missionen hat Afrika den ersten Anspruch auf unser aller Erbarmen. Warum? Weil Afrika als einziger Kontinent noch in der Finsternis des Heidentums und des Aberglaubens lebt.

Zudem sind Afrika-Missionen die schwierigsten und aufwendigsten. Um den christlichen Glauben nach Afrika zu bringen, benötigen die katholischen Missionare riesige Geldsummen. Geld regiert die Welt. Mit Geld könnte Afrika leicht für die katholische Kirche gewonnen werden. Die bestehenden Missionsgesellschaften, vor allem das Werk der Glaubensverbreitung und des Kindermissionswerkes, tun ihr Möglichstes, doch ihre Mittel reichen bei weitem nicht aus, weil die Vikariate ständig zunehmen. Die St.-Petrus-Claver-Sodalität wurde gegründet, um die Afrika-Missionen auf eine neue Art zu unterstützen. Ihre Mitglieder arbeiten nicht direkt in den Afrika-Missionen, sondern ihr Ziel ist es, die Missionare aus der Ferne und dies ohne Unterschied des Ordens und der Nationalität zu fördern. Es ist also ein ganz internationales und katholisches Werk. Die Gesellschaft bedient sich als Mittel der mündlichen und schriftlichen Werbung. Damit will sie das Interesse für die Afrika- Mission wecken und unterstützen. Sie veröffentlicht die Zeitschrift „Echo aus Afrika“, die von den Missionsfreunden mit grosser Aufmerksamkeit gelesen wird. Diese vermittelt ihnen Neuigkeiten aus allen Teilen Afrikas und ist zu einem niedrigen Preis erhältlich. Sie erscheint bereits in 6 Sprachen: deutsch, polnisch, italienisch, französisch, böhmisch und slowenisch und wird in 40’000 Exemplaren gedruckt. Dieser kleine Bote erfüllt seine Aufgabe grossartig. Als diesen Winter eine entsetzliche Hungersnot in Afrika wütete, berichtete das „Echo“ davon. Mein bescheidener Bote hat so ausgezeichnet gearbeitet, dass wir in zwei Monaten Fr. 66’000 und ausserdem viele Naturgaben gesammelt haben. Keine Predigt und kein Sammler hätte es besser gemacht. Darum ist es für jene, die die Mission unterstützen, ein vornehmes Werk, wenn sie diese Zeitschrift abonnieren. Sie bezahlen somit den „Boten“, der dadurch für alle Missionen direkt zum Geldsammler wird. Eines der offenkundigsten und greifbarsten Ergebnisse dieses schönen „Katholikentags“ wäre es, wenn der eine oder andere von Ihnen diese Zeitschrift abonnieren würde. Sie haben beim Eintritt eine Probenummer des französischen oder deutschen „Echo“ mit einem Einschreibeformular erhalten. Mit Ihrem Namen und Adresse versehen, geben Sie es beim Verlassen des Saales mit Fr. 1.50 einfach ab. Oder Sie machen sich am Donnerstag auf den Weg ins Ursulinen-Kloster oder später nach Zug, um es mir zu übergeben.

Die St.-Petrus-Claver-Sodalität organisiert ferner Konferenzen und Missionsversammlungen, sie erbittet bei den Missionaren einheimische Gegenstände aus allen Gegenden des Kontinents für ihre Museen. In Zug haben wir ein Museum, das Sie zur Besichtigung einlädt. Die Sodalität benutzt jede Gelegenheit, für Afrika Missionsinteresse und Missionsberufe zu wecken, spontane Geldspenden oder Naturgaben zu erwerben und zum Gebet für Afrika aufzurufen.

Der erzielte Erfolg beweist die Richtigkeit dieses Systems der Publikation und der Werbung. In den 12 Jahren ihrer Existenz hat sie trotz der geringen Zahl ihrer sogenannten Internen Mitglieder 1 Million Franken an verschiedene Afrika-Missionen verteilen können. Angesichts der grossen Not dort ist das eine geringe Hilfe. Zudem haben wir praktische Gegenstände, kirchliche Utensilien, Wäsche, Kleidungsstücke und Devotionalien im Wert von mindestens Fr. 300’000.- nach Afrika geschickt.

Die Organisation der St.-Petrus-Claver-Sodalität für die Afrika-Missionen ist neu und spezifisch. Sie umfasst ein weibliches religiöses Institut mit Internen Mitgliedern, deren Tätigkeit von Externen Mitgliedern und Förderern unterstützt wird. Die Basis der Sodalität ist demnach ein religiöses Institut, das sich vom Werk der Glaubensverbreitung, des Kindermissionswerkes und allen anderen Missionsgesellschaften, die den Missionen helfen, unterscheidet. Diese Basis ist die beste Garantie für das Bestehen des Werkes. Die Mitglieder des Institutes, Sodalinnen des hl. Petrus Claver genannt, weihen sich gänzlich als Missionsschwestern dem Seelenheil der Afrikaner und stellen ihre Kräfte und Fähigkeiten in den Dienst der Afrika-Mission. Die Statuten dieses 1894 mit der Genehmigung von Papst Leo XIII. gegründeten Institutes wurden zunächst von dem verstorbenen Kardinal Haller, Fürst-Erzbischof von Salzburg im Jahr 1896 approbiert. Fünf Jahre später nahm die Kongregation Propaganda Fide in Rom das Institut unter ihren Schutz und gewährte ihr 1902, also acht Jahre nach ihrer Gründung, dass Lobesdekret und die erste Approbation seiner Konstitutionen. Der heutige Papst Pius X. ist ein langjähriger Wohltäter der St.-Petrus-Claver-Sodalität, die er selbst als Patriarch in seiner Diözese in Venedig eingeführt hat. 1904 zeichnete er sie aus durch ein eindrückliches Breve, womit er den hl. Petrus Claver als Patron der Gesellschaft bestätigte und sie dem speziellen Schutz der Mutter vom Guten Rat unterstellte.

Seit zwei Jahren befindet sich das Generalat des Institutes des hl. Petrus Claver, d.h. das Zentrum des ganzen Werkes, in Rom. Das zweite wichtige Haus des Institutes mit einer Missionsdruckerei befindet sich in Salzburg (Österreich). Elf Zweigstellen wurden nacheinander eröffnet: Wien, Triest, Krakau, München, Breslau, Paris, Prag, Mailand, Innsbruck, Bozen und Zug in der Schweiz. Mit Ausnahme von Wien und Triest werden sie von Frauen geleitet, die dem Werk als Externe Mitglieder angehören. Diese Externen Mitglieder weihen sich dem Werk des hl. Petrus Claver neben ihren eigenen Pflichten. Oder sie stellen sich dem Werk zur Verfügung, um die Zweigstellen zu leiten oder andere wichtige Aufgaben zu übernehmen.

Die Förderinnen und Förderer unterstützen das Werk durch einen jährlichen Beitrag von Fr. 2.– und durch alles, wozu sie ihr Eifer anspornt. Ihr relativ kleiner Beitrag hat spirituell einen grossen Vorteil, denn ausser den zahlreichen Ablässen, haben sie mit allen Externen und Internen Anteil an Arbeiten, Opfern, Gebeten, guten Werken aller Missionskongregationen, denen die Gesellschaft des hl. Petrus Claver angeschlossen ist. Um sich einzuschreiben, genügt es, das Formular auszufüllen und es bei den Ursulinenschwestern oder in Zug abzugeben. Die Vereinigung dieser drei Arten von Mitgliedern erlaubt es der St.-Petrus –Claver-Sodalität, ihren Wirkungskreis weit auszudehnen. Je höher die Zahl der Mitglieder, desto höhere Summen für die Afrika-Missionen. An erster Stelle bilden die Sodalinnen des hl. Petrus Claver bewältigen die notwendige Hilfeleistung, die Redaktion, die Korrespondenz, die Buchhaltung, die Druckerei und die Administration. Um die Zahl der Mitglieder zu vermehren, empfiehlt sich das Institut dem katholischen Klerus und vor allem der Freunde der Missionare, denn wenn sie den Sodalinnen helfen, helfen sie zugleich den Missionaren.

Meine lieben Damen und Herren, mein Bericht naht sich dem Ende. Es bleibt mir nur ein sehr bescheidener, aber dringender Appell: Unterstützen Sie mich bei diesem materiellen und spirituellen Hilfswerk. Lösen Sie mit mir die Fesseln der doppelten Sklaverei unserer unglücklichen Brüder und Schwestern in Afrika. Ich bitte Sie im Namen der „Lieben Frau de la Merci“, deren Fest die Kirche gestern gefeiert hat. Ich bitte also nicht um Brot, das den Kindern vorbehalten ist, wie unser Herr der kananäischen Frau sagte (vgl. Mt 15, 26-28). Ich bitte Sie um die Brosamen, die man dem Hündlein vorwirft, d.h. ein kleines Opfer zu all den Opfern, die Sie zugunsten Ihrer Caritas leisten. Das ausgegebene Geld für ein Abonnement des „Echo aus Afrika“ oder für den Förderer-Jahresbeitrag wird sparsam angelegt. Und merken Sie sich gut, wenn Sie diese keine Gabe allein in der Absicht geben, der göttlichen Majestät zu entsprechen und Seelen zu retten, haben Sie mehr getan, als wenn Sie eine Million in einer    weniger hohen Absicht spenden. „Unter allen göttlichen Dingen das Göttlichste ist, mit Gott zusammen zum Heil der Seelen zu wirken. [3]

Maria Theresia Ledόchowska



[1] 1 Dieser Vortrag wurde französisch gehalten. Der deutsche Text wurde von der Redaktion in Zug im September 2009 überarbeitet.

[2] Johannes Maria Vianney (1786-1859), Heiligsprechung 1925. Bekannt als „Pfarrer von Ars“, wo er ein segensreiches, weit ausstrahlendes Wirken entfaltete.

[3] Worte von Pseudo-Dionysius Areopagita. Aus einer Ansprache von Kardinal Zenon Grocholewski, Mainz, 17.
Mai 2003.