Vortrag gehalten in Venedig 1907
1907 [1]
Meine Damen und Herren!
Mein erstes Wort ist ein Dank an Sie, dass Sie die Einladung unserer unermüdlichen Förderein Frau Saccardo angenommen haben. Unsere Liebe Frau vom Guten Rat, die der Hl. Vater, Pius X., unserer Sodalität als Patronin gegeben hat, wird uns begleiten; mich, um Ihnen meine Angelegenheit nahe zu legen, und Sie, um mir mit Wohlwollen zuzuhören und meine Vorschläge in die Tat umzusetzen.
Im Jahr 1899 erhielt ich noch in Salzburg einen Brief aus Venedig mit einem schönen Siegel des Kardinals. Es war – zu meiner erfreulichen Überraschung – ein handgeschriebener Brief des Kardinal-Patriarchen, unseres heutigen Hl. Vaters (Leo XIII.) mit folgendem Inhalt: Ein Priester hatte ihm vom Werk des hl. Petrus Claver für die Erlösung der Schwarzen erzählt. Dieses Werk, das durch seine Organisation den Ärmsten dienen will, hatte Seine Eminenz so sehr beeindruckt, dass er es in seiner Diözese bekannt zu machen wünschte. So lud er mich ein, ihm Näheres davon mitzuteilen. Noch nie hatte ein Bischof meinem Werk solches Interesse gezeigt. Ohne die Absichten der Vorsehung Gottes zu verstehen, zögerte ich nicht, seinem aussergewöhnlichen Ruf zu folgen, um ihm das Werk vorzustellen. Die Vorsehung hatte mir in Kardinal Sarto einen einflussreichen Beschützer auf dem Stuhl Petri geschenkt. Welches neue Werk nun wollte der künftige Nachfolger des hl. Petrus kennen lernen und neben so vielen blühenden Caritaswerken in Venedig einführen? Sie, meine Damen und Herren, werden wohl erraten, wovon ich sprechen will. Von einem Werk, das für die Bekehrung der Afrikaner gegründet wurde und den hl. Petrus Claver zum Patron hat, der jüngst von Papst Leo XIII. zum Patron der Afrikamissionen erklärt wurde. Es ist ein Werk mit einem ziemlich fernen Ziel, dessen Notwendigkeit und Wichtigkeit für die Kirche Pius X. mit klarem Blick und apostolischer Liebe schnell erfasst hatte. Die Liebe sagt nie: Es ist genug. So sagt auch der Patriarch von Venedig nicht: Es ist genug. Vielmehr empfängt er mich grossherzig, und seither schützt und fördert er das Werk. Von diesem Werk des hl.
Petrus Claver spreche ich nun in Kürze zu Ihnen. Sie werden seine Daseinsberechtigung erkennen, d.h., warum es speziell für die Bekehrung der Afrikaner gegründet wurde. Dann werde ich mich zu seiner Organisation, seinen Aktionen und Erfolgen äussern. Sie werden erfahren, wie man an diesem Apostolat teilnehmen kann, ohne all die vielen guten schon existierenden Werke der Caritas zu beeinträchtigen. Es gibt Menschen, darunter fromme Katholiken (vielleicht auch in Venedig), die bei Gesprächen über Afrika und der Bekehrung der Afrikaner Ihnen den banalen Satz an den Kopf werfen: „Lassen Sie mich mit diesen Afrikanern in Ruhe. Was geht mich Afrika an. Wir haben Afrika in Italien. Wir haben unsere eigenen Neger (abbiamo i nostri moretti!)“
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zunächst darauf hinweisen, dass das kein banaler Satz ist, wenn man damit eine berechtigte Frage – die Mitleid und Liebe der ganzen christlichen Welt erwecken müsste – verleugnen will. Jene Personen, die uns beweisen wollen, dass unsere einzige Pflicht darin bestünde, uns um unsere Mitbürger zu kümmern, stürzen die Ordnung der Dinge um. Sie stellen das Heil der Seelen über die Ehre Gottes, was doch das einzige Ziel jeder Kreatur ist. Denn Gott muss über alles herrschen, und sein Evangelium muss bis an die Grenzen der Erde verkündet werden. Wir haben nicht das Recht, unsere Handlungen auf unsere Mitbürger zu beschränken. Wir müssen, weil Gott es so will, mit allen Kräften an der Bekehrung der Ungläubigen mitarbeiten. Das Apostolat bei den Ungläubigen ist Kern der Kirche, weil sie römisch, katholisch, d.h., universal ist. Ohne diese Eigenschaften wäre sie nicht mehr katholisch. Diese Menschen stürzen nicht nur die Ordnung der Dinge um, wie sie vom Schöpfer gewollt und dem Gottmenschen Jesus Christus bestätigt worden ist, sondern sie zeigen damit auch ihre Unwissenheit. Diese Unwissenheit ist umso gefährlicher, weil sie von intelligenten Menschen ausgeht, indem sie die europäischen Völker – die durch eigene Schuld Heiden geworden sind – auf die gleiche Ebene stellen wie unsere unglücklichen Brüder und Schwestern in Afrika, die ohne eigene Schuld noch in der Finsternis des Todes leben. Dies ist ein unzureichender Vergleich. Kennen Sie, meine Damen und Herren, ein Land, einen Kontinent, der unglücklicher ist als Afrika, der mehr Mitleid und karitative Hilfe braucht? Finden Sie schwierigere Missionen, armseliger und passender für unsere Hilfe, als die in Afrika? Sagen Sie mir, ob ein Werk, mit dem speziellen Ziel der Unterstützung dieser Unglücklichen, nicht seine Daseins-Berechtigung hat, und den bestehenden Werken zur Erhaltung des Glaubens in den zivilisierten Ländern nicht gleich kommt.
Afrika ist dreimal grösser als Europa und sitzt nicht nur tiefer im Heidentum und Aberglauben als andere Länder. Dieses Heidentum zieht konsequent viele andere unnatürliche Folgen nach sich, die uns beim Gedanken daran erschauern lassen. Ich erinnere Sie an den blutigen Aberglauben, der einer grossen Zahl Menschen das Leben kostet, wenn sie als Kultopfer oder beim Tod ihres Stammeschefs sterben müssen. Ich erinnere Sie an den Einfluss der Zauberer und ihrer Tricks, mit der sie die Leichtgläubigkeit der Afrikaner ausnützen zugunsten ihrer eigenen Laster. Die Missionare berichten von schmerzhaften Folgen des Kindermords und Kannibalismus. Ich denke auch an das furchtbare Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sowie an die Geisel der Sklaverei, die – nur scheinbar überwunden – noch in vielen Gebieten Afrikas wegen der Gleichgültigkeit und Begierlichkeit gewisser Weisser ausgeübt wird. Und wenn Sie von diesen schrecklichen Zuständen, die sich fast unter unseren Augen und in unserem Jahrhundert der Freiheit abspielen, immer noch nicht überzeugt sind, dann berichte ich Ihnen noch von dem bedauernswerten, erniedrigenden Schicksal der afrikanischen Frau. Diese Art von Sklaverei wird noch in ganz Afrika praktiziert, wo das Licht des Glaubens noch nicht durch die Wolken des Heidentums gedrungen ist. Man kümmert sich scheinbar um die Abschaffung der Sklaverei und die Regierungen geben sich die Hand für diesen Kampf. Man erlässt Gesetze zur Bestrafung der Sklavenhändler. Aber was kümmern sich diese Herren um das Wohl der Frauen, die das Joch der Sklaverei tragen. Die Frau wird in Afrika leider nicht geachtet. Daher blüht der Handel mit Frauen selbst dort, wo das Sklaventum aufgehoben ist. Die jungen Mädchen werden verkauft durch ihren Vater, durch ihre Onkel mütterlicherseits oder den Häuptling des Clans. Sie wandern von Hütte zu Hütte, von Kolonie zu Kolonie, unwissend ihrer Würde als Jungfrau, Braut und Mutter, wozu Gott sie berufen und der Erlöser sie befreit hat.
Meine lieben Damen, erschrecken wir nicht beim Gedanken an das furchtbare Schicksal unserer Schwestern im fernen Afrika? Leidet unsere eigene Ehre nicht, wenn wir sehen, wie sie mit Füssen getreten wird? Wir lieben Maria, die Jungfrau der Jungfrauen, die Mutter Gottes. Trotzdem bleiben wir unberührt mit gekreuzten Armen, während Tausende von Frauen erniedrigt und Gegenstand der Lust werden. Aus Liebe zu Maria und aus Liebe zu Gott, der die Frau geheiligt hat, in dem Er sie für seinen Sohn als Wohnung nahm, sollten wir das nicht einfach hinnehmen. Aber wie können wir diese Kette des Elends in Afrika zerbrechen? Die Antwort ist sehr einfach. Nicht die diplomatischen Konferenzen lösen diese Fragen. Auch nicht rein menschliche Mittel, nicht einmal militärische Gewalt ändern Sitten, kriminelle Einrichtungen und Aberglaube der Afrikaner. Weder Kongresse, noch Briefe, noch Poesien gegen die Sklaverei werden die Sklaverei abschaffen, noch die afrikanischen Frauen befreien. Um erfolgreich diese Übel zu bekämpfen, gibt es eine einzige Waffe – das Evangelium. Mit allen Kräften die Missionare unterstützen, die sich der Evangelisierung der Afrikaner hingeben, ist das einzige Mittel. Wenn sie den Vater im Himmel kennen und zu Ihm beten, „der die Menschen so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn für sie dahin gab“ (Joh 3,16), dann werden sie sich ihrer Freiheit bewusst. Wenn diese Anbeter von Fetischen, die Frauenhändler, die unglücklichen Frauen selbst, die ihre Rechte nicht kennen, den Vater im Himmel lieben lernen und zu Ihm beten, dann werden sie ihre Freiheit erkennen. So wird die St.-Petrus-Claver-Sodalität, die zur Verbreitung des Evangeliums wirkt, weit mehr tun als den Loskauf der Sklaven. Sie agiert als Befreierin des ganzen Schwarzen Kontinents, dem sie die Freiheit des Christen bringt. Betrachten Sie die afrikanischen Felder, die weiss und zur Ernte reif sind. Schon arbeiten 3’400 Missionare und viele Schwestern in Afrika, und Gottes Segen liegt spürbar in ihren Anstrengungen. In gewissen Gegenden, vor allem im Inneren Afrikas, zeigen sich die Afrikaner sehr offen für den katholischen Glauben. Allein im Vikariat von Uganda waren schon vor zwei Jahren 16’000 Katholiken und 12’000 Taufbewerber zu verzeichnen. Die Beteiligung am Sakramentenempfang ist bei ihnen sehr stark (73’000 Kommunionen). Das ist ein eindrücklicher Erfolg der Missionare, die die Frohe Botschaft verkünden. Wie viel mehr könnten sie erreichen, wenn sie genügend Mittel hätten. „Nebst der Taufe, der übernatürlichen Gnade und als das Notwendigste benötigen wir in unseren Tagen das Greifbare, d.h. das Geld.“ So schrieb mir jüngst der Provinzial eines religiösen Ordens mit Bezug vor allem auf afrikanische Missionare. Das grosse Anliegen der St.-Petrus-Claver-Sodalität ist, für sie das Geld aufzubringen. Die gesammelten Summen von Propaganda Fide und der Heiligen Kindheit Jesu genügen bei weitem nicht für die Bedürfnisse der stets wachsenden Missionen, vor allem in Afrika. Und seit der Krise in Frankreich ist zu fürchen, dass diese Quellen noch spärlicher fliessen.
Wie kann die St.-Petrus-Claver-Sodalität eine solch schwierige und delikate Aufgabe lösen? Der Kern ihres Programms besteht in einem einzigen Wort: Animation. Durch mündliche und schriftliche Werbung führt die Sodalität zur Kenntnis und Liebe der Missionen Afrikas. Das ist wesentlich. Um die solide und befreiende Arbeit der Missionare zu schätzen, wendet sie unseren Blick auf Afrika. Sie entlarvt die Ursachen der Verwüstung und kämpft gegen Unwissenheit und Gleichgültigkeit der Weissen, die grössten Hindernisse bei der Bekehrung der Afrikaner. Könnten wir nur begreifen, dass wir bei so viel körperlicher und geistiger Armut nicht herzlos unser Portemonnaie verschnürt halten dürfen. Warum sind unsere getrennten Brüder, die Protestanten, grosszügiger für ihre Missionen? Warum können sie eine Summe von 70 bis 80 Millionen spenden, während wir Katholiken es nur auf 16 Millionen bringen? Warum ist die Werbung bei ihnen viel besser organisiert als bei uns? Lernen wir von ihnen. Unsere kleine St.-Petrus-Claver-Sodalität bedient sich der mündlichen und schriftlichen Propaganda als Mittel, um dadurch bei so viel körperlicher und geistiger Armut ihr Ziel zu erreichen. Die Sodalität veröffentlicht die kleine Monatszeitschrift „Echo aus Afrika“ von 16 Seiten, zu einem sehr bescheidenen Preis, um sie allen zugänglich zu machen. Sie appelliert an das besondere Interesse der Missionsfreunde, denn sie enthält die Briefe und Neuigkeiten aus dem ganzen Missionsgebiet Afrikas. Das „Echo aus Afrika“ erscheint bis jetzt in 7 Sprachen: italienisch, französisch, portugiesisch, deutsch, polnisch, böhmisch und slowenisch. Die englische und kroatische Ausgabe ist in Vorbereitung. Dieser kleine Bote ist zugleich ein Sammler der Sodalität und erfüllt seine Aufgabe einzigartig. Als vor einigen Jahren eine schreckliche Hungersnot in Teilen Afrikas wütete (so in Eritrea, Abessinien und Galas), spendeten die Leser durch einen Aufruf in nur drei Monaten um 74’000 Franken für die Hungernden. Kein Sammler noch Prediger hätte es besser gemacht.
Für junge Leser publizieren wir ferner die „Kleine Afrika-Bibliothek“, die in Deutsch und Italienisch erscheint. Ich kann sie Ihnen für Ihre Kinder sehr empfehlen. Neben diesen periodischen Blättern veröffentlicht die Sodalität ebenfalls aus ihrer eigenen Druckerei eine grosse Zahl Broschüren und Traktaten über die Afrikamission und auch die für die afrikanischen Missionare notwendigen Bücher in einheimischer Sprache. Sie erstellt in ihren Häusern und Niederlassungen wie in Rom, Wien und München Museen mit ethnologischen Gegenständen, die sie von den Missionaren erhält. Das bietet neue Gelegenheiten, von den Missionen zu sprechen und das Interesse zu wecken. Die diesbezüglich erzielten Ergebnisse der St.-Petrus-Claver- Sodalität beweisen die Nützlichkeit und die Wirksamkeit der Missionspresse und Werbung. In den 13 Jahren ihres Bestehens durfte unsere junge Gemeinschaft mehr als 2 Millionen Liren in die Hände der verschiedenen Missionsgesellschaften legen. Dies ohne Unterschied der Nationalität der Missionare, denn wir sind ein katholisches, d.h. universales Werk. Allein im letzten Jahr konnten wir für die Missionen 214’000 Liren flüssig machen. Und die Einnahmen werden voraussichtlich noch steigen.
Noch ein Wort über die Organisation der St.-Petrus-Claver-Sodalität. Sie ist ebenso neu wie originell. Sie besteht aus einem religiösen Institut von Sodalinnen, die in ihrer Arbeit von Laien, sogenannten Externen Mitgliedern und Förderer unterstützt werden. Die Basis, das religiöse Institut der Sodalität, unterscheidet sich sehr klar von der Propaganda Fide, der Heiligen Kindheit Jesu und allen anderen Gemeinschaften, die zugunsten der Missionen arbeiten. Mit den Gesellschaften und Ligen der Antisklaverei teilt unsere Sodalität nicht den geringsten Schatten einer Ähnlichkeit. Es ist leicht einzusehen, dass diese Basis beste Garantie für die Dauer unseres Werkes und die Ordnung bei der Verteilung der Spenden ist. Die St.-Petrus- Claver-Sodalität steht in direkter Verbindung mit allen Missionaren Afrikas. Sie weiss, welche Kongregationen mehr Hilfe und Unterstützung braucht und kennt den Moment und das Ziel ihrer Hilfeleistung. Nach Überprüfung des Situation leitet sie monatlich die empfangenen Spenden weiter. Der Propaganda Fide, der sie untersteht, unterbreitet sie Ende des Jahres eine genaue Aufstellung der erfolgten Geldspenden, die geprüft und bis jetzt immer approbiert wurde. Die Mitglieder des religiösen Institutes, die sich Sodalinnen nennen, weihen sich durch die Gelübde gänzlich dem Seelenheil der Afrikaner und dem Dienst der Missionen, so wie die Missionsschwestern selbst. Gemäss ihrer Regel gehen sie jedoch nicht nach Afrika, sondern bleiben in den europäischen Ländern. Durch rastlose und auch intellektuelle Arbeit verschaffen sie die notwendigen Mittel für das Werk der Evangelisierung. Bescheidene und verborgene Arbeit zwar, doch nach Aussagen der Missionare enorm wichtig, wie die Arbeit der Missionarinnen selbst. Denn die Missionsschwester in Afrika muss sich den in der Umgebung entsprechenden Möglichkeiten anpassen, während die Sodalinnen durch die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen die Priester, die Missionare, direkt unterstützen und überlebensfähig machen. In diesem Sinn nehmen sie Anteil an der priesterlichen Tätigkeit. Maria, die Muttergottes, ist ihnen Vorbild in ihrem verborgenen Wirken. Gerade Marias wunderbare apostolische Mission in der Welt bestätigte sich darin, dass sie in der Zurückgezogenheit dieser Welt, ihr den Erlöser gebar. Dieser Gedanke kann jungen Mädchen Ansporn sein, auf ihren Wunsch – in die Mission zu gehen – zu verzichten, und statt dessen in die St.-Petrus-Claver-Sodalität einzutreten, um auf diese Weise den Missionen zu dienen. Eine kleine Broschüre mit dem Titel „Berufung einer Helferin der afrikanischen Mission“ befasst sich eingehend mit dieser Frage und steht zu Ihrer Verfügung.
Die Konstitutionen dieses neuen religiösen Instituts wurden vor drei Jahren definitiv vom Heiligen Stuhl approbiert. Als ich mich nach Rom begab, um diese Approbation zu erbitten, sprach ich darüber auch mit dem verehrten Kardinal Sarto und bat ihn um seine Meinung. Er sagte mir: „Gehen Sie, gehen Sie nur, Sie werden sehen, dass sie approbiert werden. Ihr Institut hat ein ganz neues und spezielles Ziel, es gleicht keinem Anderen und liegt keinem Anderen quer. Im Gegenteil, es füllt eine Lücke aus, in dem Sie Hilfsmissionare ausbilden. Gehen Sie nur, sie werden approbiert.“ Seine Eminenz hatte recht, wie sich zeigte.
Blicken wir nun auf die Laien. Es sind zunächst Externe Mitglieder, die sich auf engere Art unserem Werk verpflichten. Sie bleiben in ihrer Familie, repräsentieren die Sodalität nach aussen und arbeiten für sie in beispielhafter Eintracht. Sie stellen sich für die Leitung einer Niederlassung oder eines Büros in den verschiedenen Hauptstädten Europas zur Disposition. Oder sie leben und arbeiten mit uns, sei es in Rom oder Salzburg.
Zudem haben wir Frauen und Männer als Mitarbeiter, genannt Förderinnen und Förderer. Sie entlasten uns beim Vertrieb der Zeitschriften und protegieren das Werk mit einem jährlichen Beitrag von 2 Franken. Gleich den Internen und Externen Mitgliedern können auch sie an allen Arbeiten, Opfern, Gebeten und guten Werken der Afrika-Missionare, die von der Sodalität unterstützt werden, teilhaben. Sie sind einbezogen in die dankbaren Gebete der konvertierten Afrikaner – ein Trost in unserer Sterbestunde, ein Schatz für die Ewigkeit.
Meine Damen und Herren, ich beende wie ich begonnen habe, mit einem tief empfundenen Dank für Ihre Güte und Aufmerksamkeit, mit der Sie mir zugehört haben. Wie ein Gebet richte ich an Sie einen dringenden Aufruf. Helfen Sie mir bei diesem Werk der zeitlichen und geistlichen Barmherzigkeit. Helfen Sie mir, die Fesseln der doppelten Sklaverei der unglücklichen Afrikaner zu lösen. Helfen vor allem Sie, meine jungen Damen, die afrikanische Frau von ihrem unerträglichen Joch zu befreien. Darum bitte ich Sie. Ihr Einsatz kann ein Zeichen des Dankes an unsere katholische Kirche sein, deren glückliche Glieder wir sind. Die Kirche allein weiss die Frau gebührend zu achten. Durch Jahrhunderte hat sie in Maria, der Jungfrau und Muttergottes – die sie ehrt – die wichtige Bedeutung und Schönheit des weiblichen Genius erkannt. Ich bitte Sie nicht um das Brot der Kinder, von dem der Herr spricht (vgl. Mt 15, 26-28). Ich bitte Sie für die Afrikaner nur um die Brosamen, die man den Hündlein vorwirft (ebenda). Was ist damit gemeint? Setzen Sie das Gehörte in dieser Versammlung in die Tat um. Unser kleines „Echo aus Afrika“ ist dank der grossartigen Anstrengung von Frau Saccordo in Venedig mit ihren 100 Abonnenten schon einwenig verbreitet. Man müsste diese Zahlen verdoppeln, verdreifachen. Ich möchte Sie einladen, diesen Saal mit dem Abschluss eines Abonnements des „Echo aus Afrika“ oder der „Kleinen Afrika-Bibliothek“ zu verlassen. Oder wollen Sie sich gar als Förderin bzw. Förderer melden?
Doch es braucht noch mehr als Abonnenten und Förderer. Es braucht vor allem Hilfen, d.h. berufene Mitglieder des religiösen Instituts, um die riesige Arbeit der Redaktion, der Korrespondenz und der Animation zu bewältigen. Berufungen lassen sich weder kaufen noch befehlen. Gott erweckt sie. Er bedient sich oft einer Person, eines Buches als Instrument. Ich bitte Sie, solche Instrumente Gottes zu sein. Wenn Sie jungen Mädchen begegnen, die diesen einzigartigen Anruf ihres göttlichen Bräutigams hören und wünschen, für das Heil der Seelen zu arbeiten, weisen Sie diese Jugendlichen an uns. Mit einer aufklärenden Broschüre in der Hand wandern Sie im Geiste mit diesen jungen Mädchen nach Rom, ins Herz der Kirche, unter dem Schutz Petris, des Nachfolgers Jesu Christi. Dort werden sie Schwestern finden, die sie mit geöffneten Armen aufnehmen. Erzählen Sie diesen Töchtern, wie sie sich – ohne Europa zu verlassen – am Los von Tausenden von Afrikanern, die unter der Last und Angst fiebern, beteiligen können. Ein berühmter Schriftsteller sagte: „Das grösste Unglück des Menschen besteht darin, nicht zu wissen, wofür er lebt, leidet und stirbt.“ Es gibt in der Tat viele Jugendliche, die ohne Aufgabe und Arbeit dahin leben, als ob sie nicht wüssten, woher sie kommen und wohin sie gehen. Es gibt Kräfte und Begabungen, die zum Glück der Anderen eingesetzt werden könnten, jedoch brach liegen. Es ist unser aller Pflicht, diese Talente und Kräfte zu fördern. Wenn es Ihnen gelingt, durch Ihre Anregung eine einzige Arbeiterin in das Institut des hl. Petrus Claver zu senden, hätten Sie mehr für die Afrika-mission getan, als wenn Sie ihr eine Million Lire geschenkt hätten.
Meine Damen und Herren, schenken Sie Afrika und der St.-Petrus-Claver-Sodalität vor allem die Gabe Ihres Gebetes. Für die Bekehrung Afrikas und die Befreiung der Sklaven braucht es vor allem das Gebet, sagte Kardinal Lavigerie [2]. Unsere Zeit und unser Geld, dass wir den Missionaren, die das Evangelium bis an die fernen Ufer Afrikas verkünden, schenken, ist sinnvoller investiert, als wenn wir es in eine Reise, einen Besuch, ein Vergnügen oder in tausend Eitelkeiten, die das Leben verzehren, hineinstecken würden. Der Dichter und Philosoph Seneca [3] sagt: „Wenn man den Ameisen menschliche Intelligenz geben würde, würden sie ihre Ameisenhaufen in allen Provinzen so wunderbar verteilen, dass die Könige der Erde sich ihr Königtum teilen würden.“ Eine solche Ameisenintelligenz brauchen wir nicht, denn wir haben.
Maria Theresia Ledόchowska
[1] Der Text wurde vom Französischen ins Deutsche übersetzt und von der Redaktion in Zug im Mai 2009 ins heutige Deutsch überarbeitet.
[2] Charles Martial Allemand Lavigerie, geb. 1825 in Frankreich, gest. 1892 in Algerien, französischer Kardinal. 1868 gründete er die Weissen Väter und 1869 die Weissen Schwestern als Missionsgesellschaften für Afrika. Er setzte sich für die Aufhebung der Sklaverei in Afrika ein.
[3] Lucius Annaeus Seneca, geb. um 4 v.Chr., gest. 65 n.Chr., war ein römischer Dichter und Philosoph.
