Konferenz über die St.-Petrus-Claver-Sodalität

1908 gehalten von Maria Theresia Ledóchowska [1]


Es war im Jahre 1889. Ich war Hofdame der Frau Grossherzogin von Toscana in Salzburg. Der Zufall wollte es – oder vielmehr die göttliche Vorsehung – dass mir eine Broschüre des Kardinals Lavigerie über die Gräuel der afrikanischen Sklaverei in die Hände fiel. Der folgende Satz daraus fesselte mich: „Frauen und Mädchen Europas, die Ihr Talent zum Schreiben habt, erinnert Euch doch, dass es der Roman einer Frau `Onkel Toms Hütte`, war, der wesentlich zur Abschaffung der Sklaverei in Amerika beitrug. Wenn Ihr Talent zum Schreiben habt, stellt es doch in den Dienst einer so heiligen Sache: der Abschaffung der Sklaverei in Afrika!“
 
Dieser Satz war für mich ein Gnadenstrom. Obschon ich von frommen Eltern religiös erzogen wurde, habe ich noch nie einen Missionsvortrag gehört, und daher wusste ich nichts von Missionen und noch weniger von Missionspflicht. Es war zugleich ein Mahnruf, ein bisher vergnügtes Leben sinnvoll zu ändern. Noch zögerte ich. Ist dieser ganze Kreuzzug Lavigeries gegen die Sklaverei vielleicht nur ein moderner Schwindel? Mit diesem Vorbehalt suchte ich das Gewissen zu beschwichtigen. Es liess mir keine Ruhe. So schrieb ich meinem Onkel, dem damaligen Kardinal-Präfekten nach Rom, um sein Urteil zu hören. Seine Eminenz antwortete mir durch ein ermutigendes Schreiben, mich mit ganzen Kräften diesem erhabenen Unternehmen anzuschliessen. Doch wie beginnen? Nicht, um mit dem hl. Paulus konkurrieren zu wollen, erinnerte ich mich an das Wort des berühmten Bischofs Ketteler über den hl. Paulus. So gründete ich noch als Hofdame eine kleine Monatsschrift, das „Echo aus Afrika“. Dadurch hoffte ich das Interesse für die Sklaven und deren wahre Befreier, die katholischen Missionare, zu wecken und zu verbreiten, denn Österreich stand damals der afrikanischen Frage sehr gleichgültig gegenüber. Das Unterfangen gelang. In kürzester Zeit stieg das „Echo“ auf 2000 Abonnenten. Almosen für die Missionen flossen zu, begleitet von einer lebhaften Korrespondenz.  Als  Ergebnis  folgte  meine  gewünschte  Entlassung  beim österreichischen Kaiserhof, um am „Hof“ des Lieben Gottes arbeiten zu können. Drei Jahre arbeitete ich allein im Dienst der Missionen, zurückgezogen in einem Asyl der Barmherzigen Schwestern in Salzburg. Hier wurde mir klar, dass ich auch für die Fortdauer dieses Hilfswerkes Verantwortung trage, Gott also auch das Opfer meiner Einsamkeit forderte. So ging ich nach Rom, um beim Hl. Vater Leo XIII. die Erlaubnis und den Segen für die Gründung einer kleinen Gesellschaft zur Unterstützung der afrikanischen Missionen zu erbitten. Beides wurde mir gewährt. Ich nannte die entstehende Gesellschaft „St.-Petrus- Claver-Sodalität“ zu Ehren des grossen Apostels der Neger aus der Gesellschaft Jesu: Petrus Claver, der über 100’000 afrikanische Sklaven taufte und erst kürzlich von Leo XIII. heiliggesprochen wurde.
 
Verehrte Anwesende, gestatten Sie mir eine kurze Erklärung zu dieser Sodalität, deren Entstehen ich Ihnen eben skizzierte. Folgendes halte ich fest:
 
1. Weshalb die St.-Petrus-Claver-Sodalität sich mit Afrika beschäftigt.
2. Wie sie diese ihre Aufgabe löst.
3. Auf welche Weise auch Sie, geschätzte Hörer, an dieser Hilfsaktion für Afrika sich beteiligen könnten.
 
I. Die St- Petrus-Claver-Sodalität befasst sich ausschliesslich mit Afrika
 
Manchmal höre ich Folgendes: „Haben wir in den zivilisierten Ländern nicht Kulturarbeit, nicht Missionsarbeit genug? Was gehen uns die Afrikaner an?“ Dies zeigt eine völlig verkehrte Einstellung. Und wenn man die Gedanken hören könnte, fände sich vielleicht eine solch verallgemeinerte Auffassung auch unter vielen von Ihnen.
 
Verehrte Anwesende! Die Erhaltung des Glaubens in der eigenen Heimat ist gewiss eine bedeutsame Aufgabe. Doch die Verbreitung des Glaubens in den Heidenländern ist nicht weniger wichtig. Es ist eine Aufgabe, der wir uns nicht entziehen dürfen. Das wäre weder christlich, noch katholisch. Ferner höre ich sagen: „Der Unglaube nimmt bei uns erschreckend zu und wenn es im eigenen Haus brennt, wird man doch nicht eilig des Nachbarn Haus löschen.“ Meine Antwort dazu: Welches ist denn dieses eigene Haus, von dem Sie sprechen? Ist es bloss Österreich, die enge Heimat, oder ist es für uns Katholiken die hl. römische Kirche? Sind wir bloss katholische Österreicher, oder rühmen wir uns, österreichische Katholiken zu sein? Sicherlich Letzteres. Dann aber ist eben unser Haus die römisch katholische Kirche, die nach dem Willen des Herrn bis an die Grenzen der Erde sich entfalten soll und in der auch die Afrikaner ihren Platz haben sollen. Gerade als Katholiken geht uns auch das Schicksal dieses notleidenden afrikanischen Volkes etwas an. Es ist das eigene Haus, das wir löschen, wenn wir die Wurzel des Un- und Aberglaubens in Afrika zu beseitigen versuchen. Die Aufgabe der St.-Petrus-Claver-Sodalität ist daher berechtigt und eine echt katholische. Sie ist in den Worten der Hl. Schrift begründet: König der Welt ist Gott! Die Sodalität möchte eben jenen Erdteil unter Gottes Herrschaft führen, der noch immer in den Fesseln der Sklaverei liegt. Und hier liegt der Grund, warum unsere eigentliche Sorge besonders der Bekehrung Afrikas gilt. Kein Erdteil ist zur Stunde so niedergedrückt, keine andere Mission so schwierig, so kostspielig und deshalb so hilfsbedürftig, wie die afrikanischen Missionen.
 
Soll ich Ihnen deren schrecklichen Zustände vor Augen führen? Ich erinnere Sie nur summarisch an die dortigen zauberischen, abergläubischen Gebräuche, denen viele Einheimische zum Opfer fallen. Ich denke an den noch vielfach üblichen Kindermord, die gebräuchliche Menschenfresserei, an den Sklavenhandel, der nur scheinbar ganz ausgerottet ist, doch bis heute täglich weitergeht. Ihre Aufmerksamkeit richte ich besonders auf die in unserem Jahrhundert in Afrika gewohnte Sklaverei der Frau. Sie ist dort eine Nichtigkeit, ein Kauf- und Verkaufsobjekt. Die kleinen Mädchen können kaum gehen noch sprechen und schon werden sie verhandelt. Einmal verkauft, wandern sie von Hütte zu Hütte, von Kolonie zu Kolonie, ahnungslos ihrer kindlichen Würde, zu der Gott sie berufen hat. Selbst die Ehe ist für die Frau nur eine Art häuslicher Sklaverei. Mit Geringschätzung, gleich einem Stück Vieh, wird sie von ihrem Mann behandelt, besonders von dem, der unter dem Einfluss des Islams steht. Für den Mohammedaner ist die Frau dem Mann nicht gleichwertig. Er spricht ihr eine Seele ab und meint, den Sinn ihres Lebens bestehe – gleich unvernünftigen Wesen – allein darin, nach Belieben des Mannes ihm zu dienen, verachtet, misshandelt, ja getötet zu werden, wie es der Islam lehrt. So ist der Islam für Afrika eine furchtbare Gefahr, der Feind aller Kultur, Religion und Sittlichkeit; er ist das Unheil für Afrika. Dieser Islam, liebe Zuhörer, dringt in entsetzlicher Weise vor. 100’000 Afrikaner treten jährlich ihm bei. Sind aber die Afrikaner einmal mohammedanisch geworden, lassen sie sich nur sehr schwer bekehren. Es kostet zehnfache Mühe und Arbeit. Afrika durchsteht eine kritische Epoche. Entweder wird Afrika katholisch, oder es wird mohammedanisch – entweder Christus oder Mohammed! Entweder wird die Afrikanerin frei, erhält ihre Würde zurück, die die katholische Kirche ihr bietet, oder sie fällt endgültig ins Joch, das Mohammed ihr auf den Nacken drückt, d.h., dem Verderben des Islams preisgibt. Deshalb nimmt sich die St.-Petrus-Claver-Sodalität Afrikas und der afrikanischen Missionen an, die in unserer Zeit eine so wichtige Aufgabe und unter schwierigen Verhältnissen, zu lösen haben.
 
Trotz diesen vielen Hindernissen hatten die katholischen Missionare in jüngster Zeit schöne Erfolge aufzuweisen. In den letzten 5 Jahren hat laut neuester Statistik der Propaganda fide die Zahl der Katholiken um 500’000 zugenommen. Im Inneren Afrikas besonders kommen sie zu Tausenden zur Bekehrung in den Unterricht. Haben sie einmal nach jahrelanger, sorgfältiger Vorbereitung den katholischen Glauben angenommen, so bewähren sie sich als eifrige Katholiken und könnten so manche „Tauf-Katholiken“ Europas beschämen. Selbst Inner-Afrika zählt Helden, und in Rom ist bereits der Prozess eingeleitet, um die Märtyrer aus Uganda die Ehre der Altäre zu erweisen. Doch welch rasche Entwicklung würde die katholische Kirche in Afrika erzielen, wenn deren Verkünder, die Missionare, mehr Mittel und Kräfte zur Verfügung hätten. „Geld regiert die Welt“, heisst das alte Sprichwort. „Das Wichtigste nach der heiligmachenden Gnade ist meiner Ansicht nach das Geld“, so schrieb mir einst der Provinzial eines Ordens. Kein Glaubenssatz, aber für Afrika trifft es buchstäblich zu. Man wende nicht ein: „Woher das Geld zaubern? Die Bedürfnisse im eigenen Land sind so gross…“. Dazu sage ich: Geld ist noch genug da, bei den Nichtchristen und bei den Christen. Es geht allein darum, es für die richtigen Zwecke einzusetzen. Welch höheren Zwecken könnte dieses verächtliche Geld besser dienen, als für die Ausbreitung des Glaubens und zur Unterstützung der Missionare! Das Geld den Missionaren zuzuführen ist eine der Aufgaben der St. Petrus Claver Sodalität. Wie aber soll sie diese Aufgabe lösen? Damit komme ich zum zweiten Gedanken meines Vortrages.

II. Die St.-Petrus-Claver-Sodalität ist kein eigentlicher Sammelverein, aber so recht eine moderne Werbegesellschaft. Nicht lästiges Sammeln von Haus zu Haus, sondern vor allem durch eine wohlorganisierte Werbung löst die St. Petrus Claver Sodalität ihren Auftrag. Ihr Vorbild darin sind die Protestanten. Warum verfügen die protestantischen Missionen über enorme Geldmittel, während für die katholischen Missionen das Geld verhältnismässig viel spärlicher fliesst? Weil die Protestanten Meister sind in der Werbung. Tun wir es ihnen nach, dann werden wir mit der Hilfe Gottes bald weit erfreulichere Erfolge haben.
 
Die Werbung der St- Petrus-Claver-Sodalität teilt sich in eine schriftliche und mündliche.
 
Schriftlich übt sie diese aus in der Herausgabe von Missionszeitschriften, Broschüren und Flugblättern in den verschiedensten Sprachen, da sie bestrebt ist, durch Missionswerbung vor allem in jene Länder einzuziehen, die von den Missionen noch wenig oder gar nichts wissen. Ihr Organ ist die Missionszeitschrift „Echo aus Afrika“, die 12 mal jährlich zum günstigen Preis von Krone 1.50 erscheint, um sie auch den Ärmsten zugänglich zu machen. Dieses kleine „Echo“ ist ein vorzüglicher Sammler. Jeden Monat klopft es im Namen der Glaubensboten von Haus zu Haus. So hat schon oft ein durch einen Missionar im „Echo“ veröffentlichten Brief grosse Summen an den richtigen Ort gebracht. Bemerkenswert ist, dass das „Echo“ aus allen Missionsgebieten Afrikas verschiedene Berichte bringt. Dies zeigt, dass das „Echo“ nicht etwa ein Konkurrenzblatt der vielen bestehenden Spezial-Missionszeitschriften ist, vielmehr diese gewissermassen ergänzt. Wer also schon eine solche Schrift hat, tut gut daran, noch das „Echo“ beizuziehen, weil gerade dieses ihm einen Überblick der gesamten Missionstätigkeit Afrikas gibt. Neben dem „Echo“ veröffentlicht die St. Petrus Claver Sodalität „Das Negerkind“, eine noch günstigere Missionszeitschrift; sie kostet per Post nur Krone 1.—im Jahr. Diese Schrift bringt Erzählungen, Schilderungen, auch Unterhaltendes aus Afrika und ist besonders bei der Jugend sehr begehrt.
Mündlich übt die St.-Petrus-Claver-Sodalität ihre Missionswerbung aus durch Veranstaltungen und Versammlungen, Lichtbilder-Aufführungen, Vorträge wie heute. So wurden im vorigen Jahr Missionsvorträge von uns veranstaltet, gehalten teils von Missionaren, Priestern aus dem Weltklerus und auch von mir speziell zur Bekanntmachung der St.-Petrus-Claver-Sodalität. Bitte, glauben Sie deshalb nicht, dass alle Mitglieder unseres Institutes solche Wandervorträge halten und wir so eine Art von Heilsarmee bilden. Das Wandern und Vorträge halten fällt mir als besondere Aufgabe zu, solange die St. Petrus Claver Sodalität wenig bekannt und noch weniger verstanden wird. Jetzt noch ist persönliches Eingreifen notwendig, später wird – so Gott will – das Werk für sich selbst sprechen. Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Werbemittel der Sodalität sind die Museen mit afrikanischen Gegenständen, die sie in verschiedenen Städten errichtet hat.
 
Was hat nun diese doppelte Missionsanimation bis heute den Missionen genützt, werden Sie mit Recht fragen. In den 14 Jahren ihres Bestandes konnte unsere Sodalität die runde Summe von 1.300.300 Kronen unter die verschiedenen in Afrika wirkenden Missionsgesellschaften verteilen. Im Wert von 300.000 Kronen wurden zudem Paramente, Kirchengeräte, Kleider und allerhand notwendige Gegenstände wie Fahrräder usw. nach Afrika spediert. Endlich lieferte die St. Petrus Claver Sodalität den Missionaren viele der ihnen notwendigen Bücher in afrikanischen Sprachen, wie Evangelien, Katechismen usw. In Afrika wird den Kindern der Religionsunterricht in der Muttersprache erteilt, wir sind eben in Afrika und nicht in Posen. So viel zu den sichtbaren Erfolgen. Und jene, die Gott allein sieht? So mancher Missionsberuf wurde geweckt und zur Reife gebracht. Viele Gebete stiegen empor. (Die Sodalität führt auch jährlich einen Gebetskreuzzug für Afrika durch, an dem Hunderttausende teilnehmen.) Wie viele heroische Opfer von persönlichem Verzicht hat unsere Missionswerbung angeregt, und dies besonders bei jenen, die nicht mit Glücksgütern gesegnet sind. Ich wüsste Ihnen zu Tränen rührende Geschichten aus meiner Erfahrung zu erzählen. Doch diese Opfer sind bereits im Buch des Lebens verzeichnet. Beim Letzten Gericht wird alles offenbar werden, da wird auch in Bezug auf die Missionsunterstützung sich das Wort bewahrheiten: (Text fehlt) Noch ein wichtiges Wort über die Organisation dieser St.-Petrus Claver-Sodalität, auf die ich hier nicht länger eingehe. Alles Wesentliche finden Sie in einem Blatt, das Sie nebst dem „Echo“ erhalten werden. Nur so viel darüber: Die Organisation der St.-Petrus Claver-Sodalität ist eigenartig und neu. Bisher wurde die Unterstützung der Missionen ausschliesslich von Missionsvereinen durchgeführt, deren Leitung und Arbeit in den Händen von Priestern und Laien lag. Sie widmeten sich nicht ausschliesslich dieser Hilfsarbeit. Seit dem Entstehen der Sodalität ist diese Unterstützungsarbeit für die Missionen, speziell für Afrika, eigentlicher Zweck und Ziel einer religiösen Gemeinschaft geworden; die erste dieser Art. Die Sodalität hat nämlich als tragfähiges Fundament ein weibliches religiöses Institut, dessen Tätigkeit in der Welt durch externe Mitglieder, Förderer und Förderinnen unterstützt wird. Das Institut untersteht der Kongregation der Propaganda fide in Rom und wurde bereits vor 8 Jahren vom Hl. Stuhl approbiert. So bietet unsere Organisation – auf kirchlichem Boden stehend – Gewähr für eine übersichtliche Ordnung und für die Fortdauer der Missionsarbeit. Zudem ist damit in der Reihe der weiblichen Ordensberufe eine Lücke gefüllt. Denn zur Missionsschwester ist nicht jede berufen, es braucht auch Eignung und die notwendige Gesundheit dazu. Auch nimmt die Zahl der Missionarinnen derart zu, dass es Gemeinschaften gibt, die einen Überfluss verzeichnen und deshalb keine Arbeit für sie haben. Durch den Eintritt in die St.-Petrus-Claver-Sodalität und ihres religiösen Institutes wird es möglich, dass eine Helferin sich vollständig dem Missionsdienst hingeben kann ohne in ein Missionsgebiet zu ziehen. Hier kann sie als „Hilfsmissionarin für Afrika“ Grosses wirken durch ihre stille Tätigkeit beim Werben und Verwalten der Missionsgelder, damit die Missionare und Priester in Afrika unterstützt werden können. Geeignet für diese Berufung sind junge Frauen mit höherer Schulbildung wie Lehrerinnen, Erzieherinnen und Sprachkundige. Denn die Sodalität will ihr Wirken über die ganze christliche Welt ausdehnen. Auch Buchhalterinnen, Verkäuferinnen eignen sich gut, denn Rechnen spielt in der Sodalität eine wichtige Rolle. Ebenso können sich Mädchen mit einfacher Schulbildung einsetzen, sofern sie fähig, opferfreudig und geeignet sind für die Spedition, im Setzsaal und für die häuslichen Arbeiten. Es kommt vor allem auf das Verständnis für den vornehmen Zweck der Sodalität an, auf die Fähigkeit zu verstehen, dass tief christlicher Glaube gefordert ist. Denn die Sodalin des hl. Petrus Claver verzichtet darauf, den Erfolg ihrer Bemühungen zu sehen. Nicht einmal der dankbare Blick eines nickenden Negerkindes wiegt hier Arbeit und Opferleben auf. Es gilt so recht das Wort des Herrn: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ Unterstützt wird die Tätigkeit der Mitglieder des Institutes durch externe Mitglieder und Förderer bzw. Förderinnen. Die Externen stellen sozusagen die Vorposten der Sodalinnen in der Welt. Sie sind für die Interessen der St.-Petrus-Claver-Sodalität bzw. der afrikanischen Missionen tätig, wo immer sich dazu Gelegenheit bietet und je nach dem es ihr Beruf erlaubt. Die Förderer und Förderinnen endlich unterstützen das Wirken der Sodalität vor allem durch materielle Leistung eines Jahresbeitrages von Krone 1.–. Da sind noch Teilnehmer, die 5 Heller monatlich bzw. 60 Heller jährlich spenden. Für die Kinder ist ein eigener „Kinderbund für Afrika“ geschaffen worden, für den sie nur 2 Heller monatlich bezahlen. Alle diese genannten Gruppen nehmen Teil an den Privilegien und Ablässen, welche die Päpste Leo XVIII. und Pius X. der Sodalität verliehen haben. Die Priester, die der Sodalität beitreten, geniessen die gleichen Privilegien wie beim Werk der Glaubensverbreitung.
 
III. Es bleibt mir nur noch ein Wort zu sagen über Ihre Beteiligung an dieser Hilfsaktion für Afrika. Sie haben gehört, wie die St.- Petrus-Claver-Sodalität nicht das Sammeln, vielmehr die Werbung auf ihre Fahne geschrieben hat. Bitte, schliessen Sie sich dieser Art der Ausbreitung an! Guter Wille zugunsten der Sodalität bzw. der Missionen vermag viel. Machen Sie die Sodalität immer mehr bekannt, indem Sie unsere Schriften verbreiten und den Sinn meiner Ausführungen weitergeben. Die Sodalität braucht vor allem Menschen, die sich einsetzen. Sie, liebe Anwesende, können ihnen den Weg zur Sodalität bahnen. Ein französischer Schriftsteller hat einmal gesagt: „Das grösste Unglück des Menschen ist, wenn er nicht weiss, weshalb er geboren wurde, weshalb er leidet und weshalb er vorübergeht.“
 
Verehrte Zuhörer, halten wir Rundblick! Wie viele gibt es in der Tat – und die zu Ihnen spricht, gehörte selbst dazu, bis Gott sich ihrer erbarmte – die unbeschäftigt in den Tag hineinleben, als wüssten sie nicht, woher sie kommen und wohin sie einmal gehen. Es gibt Frauen und Männer, die einzigartig zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen wirken könnten, doch sie bleiben brach. Ist das nicht schmerzlich? Andere setzen ihre Kräfte und Talente fiebernd für ihr eigenes „Ich“ ein. Ihre Gedanken und

Mühen investieren sie allein ins tägliche Brot und ins sorgenlose Alter. Man meint schon Grosses für Gott zu tun, wenn man nur nichts Schlechtes tut. Aber für die Ehre Gottes, für das Heil der Seelen tut man im Grunde doch erschreckend wenig. Wieder andere spüren zwar den Wunsch, für Gott zu arbeiten, allein es fehlt ihnen der äussere Antrieb. Sie fragen sich nach dem Woher und Wohin hinsichtlich ihrer Zukunftspläne, sie sind unschlüssig in ihrer Entscheidung. So verrinnt die Zeit und plötzlich steht der Tod da und sie stehen mit leeren Händen vor den Pforten der Ewigkeit. Zwar kommt jeder Beruf von Gott. Doch der liebe Gott bedient sich meist einer Person, eines Wortes, einer Schrift, um den ersten Anstoss zu geben, so wie es mir selbst mit der Broschüre Lavigeries erging.
 
Verehrte Hörer, Sie sehen, wie viel Sie durch Verbreitung unserer Schriften wirken können! Aber noch etwas möchte ich Ihnen nahe legen. Der heute ausgestreute Same muss keimen und Wurzel schlagen. Wir wollen auch hier etwas Bleibendes schaffen, nicht nur durch die Gründung eines neuen Vereins, sondern indem wir gleichsam die Angel auswerfen in Gestalt einer Abgabestelle der Sodalität. Was ist eine Abgabestelle? Es ist der Ort, oder die Person, die Einzahlungen unserer Missionsschriften und Spenden für die afrikanischen Missionen in unserem Auftrag in Empfang nimmt, sowie eingegangenes Staniol, Briefmarken usw. verwaltet. Zu dieser Mithilfe braucht es weder Geld noch Zeit, nur ein Herz – nicht einmal aus Gold, sonst würde sich aus Bescheidenheit niemand melden – sondern aus Elastik (der Kautschuk kommt ja aus Afrika), ein Herz so mitfühlend und zart, dass es nebst allen guten Werken auch die armen Afrikaner aufzufangen weiss. Welche Dame von Ihnen hat dieses Herz? Sicher besitzen es sehr viele, aber dieses zu öffnen, darin liegt die Kunst. Erlauben Sie mir deshalb einen Vorschlag: Ich bitte alle jene, die heute Interesse für die Sodalität gefasst haben und mir irgendwie, sei es durch Rat oder Tat, helfen wollen, mich Morgen zwischen … zu besuchen. Das Weitere fügt dann der Liebe Gott.
 
Eine dritte Bitte an Sie: Damit die geplante Abgabestelle motiviert bleibt, soll auch das Organ der Sodalität, das „Echo aus Afrika“ hier Einzug halten. Heute wäre Gelegenheit dazu. Möchten doch recht viele von Ihnen angeregt werden, den Saal nicht zu verlassen, ohne ein Abonnement des „Echo“ oder des „Negerkind“ bestellt

zu haben. Jede Anstrengung ist Ihnen somit erspart. Es bleibt Ihnen lediglich, Ihren Namen und Adresse auf dem Bestellschein einzutragen und ihn nach dem Vortrag entweder mir, oder der Dame am Ausgang abzugeben. Fehlt Ihnen etwa der Bleistift? Auch da fehlt es nicht, er steht Ihnen zur Verfügung. Fehlt Ihnen das Geld? Das ist nicht schlimm, denn ich gebe Ihnen bis Morgen Kredit. Meine Adresse kennen Sie. Im schlimmsten Fall können Sie es nachträglich der Abgabestelle überlassen, die ich, so Gott will, hier errichten und darüber publizieren werde. Doch vielleicht haben Sie das „Echo“ schon abonniert und möchten noch heute etwas für die Sodalität tun. Dann treten Sie dieser als Förderer bei durch den gleichen Schein. Oder wollen Sie mir Morgen die Freude bereiten, Ihren Namen einzuschreiben, um Ihnen dann Medaille und Aufnahmeschein übergeben zu dürfen?
 
Nun ein Letztes an alle. Das gesprochene Wort vergeht schnell, das geschriebene bleibt. Damit Sie nun mein Wort leichter bewahren und es anderen mitteilen können, habe ich einen Vortrag ähnlich dem heutigen als Broschüre herausgegeben. Sie kostet 10 Heller. Wer nun beim Ausgang auch nur ein kleines Almosen für die Missionen spendet, erhält die Broschüre als Erinnerung.
 
Ich schliesse mit einem Dank an Sie alle, da Sie mir mit viel Ausdauer zugehört haben, und mit einem eindringlichen Appell zugunsten unserer afrikanischen Brüder und Schwestern. Beten wir für ihre Bekehrung, unterstützen wir die Missionare durch unsere Gaben und – so Gott uns die Gnade erweist – stellen wir uns selbst in den Dienst der Missionen. Es gibt keinen erfreuenderen Auftrag, als die Missionsarbeit, wie schon der hl. Dionysius es so schön gesagt hat: „Das Göttlichste des Göttlichen ist, mit Gott mitzuwirken am Heil der unsterblichen Seelen.“

Maria Theresia Ledόchowska



[1] Der Text wurde von der Redaktion in Zug im Oktober 2008 ins heutige Deutsch überarbeitet.