Warum unterstützt die St.-Petrus-Claver-Sodalität alle Missionen in Afrika?

Juni 1913 [1]

Warum unterstützt die St.-Petrus-Claver-Sodalität alle Missionen in Afrika ohne Begünstigung einer Nationalität? Sie könnte doch wenigstens die Spenden, die aus den verschiedenen Ländern kommen, den Kolonialgebieten dieser Länder zuführen.
 
Die St.-Petrus-Claver-Sodalität ist ein internationales katholisches Werk. Sie kann keine Aufteilung der Spenden noch Unterstützung nach Nationen zulassen, ohne ihrem Grundprinzip der Internationalität untreu zu werden. Sie hat zudem noch zwei Gründe, keiner Nation oder Kongregation den Vorzug zu geben.
 
Erstens: Sie muss in der Zuwendung der Spenden frei bleiben, um sie nach grossen Prinzipien verteilen zu können. Diese sind die grössere Aussicht auf Erfolg und die Bedürfnisse der Missionen, die aber nicht immer an das Arbeitsfeld einer Nation oder einer Kongregation gebunden sind. Das ist eben einer der grossen Vorteile der St.- Petrus-Claver-Sodalität gegenüber den vielen Spezialvereinen der einzelnen Kongregationen oder Nationen. Durch ihren allgemeinen Charakter und die genaue Kenntnis der Nöte aller afrikanischen Missionen wirkt sie ausgleichend. Zwar sind alle afrikanischen Missionsgesellschaften hilfsbedürftig, doch die Dringlichkeit ist verschieden. Hier sind enorme Opfer an Geld und Mühe gefordert, um Bekehrungen zu erzielen, dort kann sich mit halben Kosten eine Mission gut entfalten. Wäre die Sodalität bloss an das Missionsgebiet einer Nation gebunden, so könnten einzelne weniger bedürftige Missionen sehr viel erhalten, während andere, um ihre Existenz ringend, leer ausgingen. Das läge aber nicht im Interesse Afrikas. Deshalb muss die Sodalität als allgemeiner Verein frei von nationaler Begrenzung bleiben.
 
Zweitens: Die St.-Petrus-Claver-Sodalität könnte leicht – wenn sie sich zur Bevorzugung oder gar Beschränkung auf eine Nation verstehen würde – zum Kolonialverein und schliesslich zur Dienerin der Kolonialpolitik werden. Es fehlt nicht an solchen Beispielen von Vereinen, die mit der Kirche begonnen und mit der Regierung geendet haben. Vor dieser Klippe will sich die Sodalität bewahren. Als kirchlicher Verein steht sie über den Nationen. Nationalitätenschwindel wird genug betrieben. Die Gläubigen fragen nicht, ob mit ihren Groschen ein deutscher, französischer oder italienischer Missionar den Afrikaner bekehrt und tauft. Es geht ihnen um die Seelen ihrer Brüdern und Schwestern. Das ist und bleibt auch die Richtlinie der Sodalität.
 
Wir stehen fest zu dieser Haltung und brechen als Förderer der Sodalität Lanzen dafür. Manche möchten aus der Sodalität einen Spezialverein schaffen und sie so niederhalten. So aber geht es nicht. Solange sich die Sodalität von der Bevorzugung einer Kongregation oder Nation frei hält, ist sie – trotz ihrer Beschränkung auf Afrika – ein allgemeiner Missionsverein genau so wie das Werk der Glaubensverbreitung und des Kindheit Jesu Vereins. Dies im Gegensatz zu Vereinen, die zwar die ganze Welt umfassen, aber durch ihre nationale Einschränkung ein „Spezialverein“ sind. Tragen wir dazu bei, dass die Sodalität ihren allgemeinen Charakter bewahrt. Dies ist die beste Garantie für ihren Fortbestand.


Maria Theresia Ledόchowska



[1] Der Text wurde von der Redaktion in Zug im September 2009 ins heutige Deutsch überarbeitet.